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So weit ist es also schon in Japan. Bislang lag der Satz für Tagesgeld noch bei symbolischen +0,01 %, bevor er dann letzte Woche auf -0,01 % fiel. Nach Verlautbarungen aus Kreisen der Händler sind knapp 120 Mio. Euro an ausländische Banken zu diesem „Zinssatz“ verliehen worden.

Schon zuvor hatte es negative Zinsen für Tagesgeld gegeben, allerdings außerhalb Japans am Markt für Euro/Yen. Über Liquidität können weder die japanische Notenbank noch die Regionalbanken klagen, denn es gibt davon mehr als genug, wenn man sie nur haben wollte. Und das ist das Problem: Niemand will sie haben.

Mit den überschüssigen, vagabundierenden Geldern erwerben statt dessen die Regionalbanken in aller Regel gut verzinsliche ausländische Anleihen, denn eine 10jährige japanische Staatsanleihe bringt quasi nichts: 0,7 bis 0,8 %. Dadurch aber entsteht eine überdurchschnittliche Nachfrage nach Währungen wie US-$ und Euro. Im Umkehrzug geben ausländische Banken dann negative Tagesgeldzinsen für auf Yen lautende Kredite, um dem Ungleichgewicht entgegen zu wirken.

An die Nullzinsen hat man sich in Japan nun schon seit Jahren gewöhnen können, allerdings ohne daß sich etwas geändert hätte. Theoretisch hat man schon mal durchgespielt, ob nicht negative Zinsen für derart träge Wirtschaftsteilnehmer das Richtige wären. Der richtige praktische Test steht also noch aus. Da in Japan bis dato sämtliche konventionellen Methoden mitsamt all ihrer Wirtschaftsprogramme kläglich versagt haben, wäre eine derart unkonventionelle Maßnahme vielleicht einen Versuch wert. Allerdings hat sich das Land der aufgehenden Sonne in den letzten Jahren nicht wirklich als reformfähig erwiesen (gibt es da vielleicht eine Assoziation?), so daß die Verzweiflung schon sehr durchschlagend sein müßte, um Maßnahmen außerhalb der üblichen Denkschemata (staatliche Sanierungsprogramme, Stützungspakete, Umverteilungen) auf den Tagesplan zu rufen. Warten wir mal ab, ob und wann die Zeit (und in welchem Land) für ein solches Experiment kommen wird.

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Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.