Wie es sich für einen guten Auktionator gehört, heizt die Regulierungsbehörde die Stimmung immer weiter auf: Die Gebote müssen nur noch um 5 % anstatt bisher um 10 % erhöht werden. Dadurch steigt die Summe der Gebote zwar nicht mehr so schnell wie zuletzt, es bleibt aber gewährleistet, daß keiner der Interessenten so schnell aussteigt. So zeigte nach Aussage der Regulierungsbehörde auch noch kein Bieter Schwächen. Klar – wie auch? Bei den beteiligten Unternehmen geht es schließlich um Gedeih oder Verderb: Wer keine Lizenz erhält, ist langfristig draußen aus dem deutschen Mobilfunkmarkt. Einen Ausstieg können nur die Parteien verschmerzen, für die Deutschland nicht den Heimatmarkt oder das Mobilfunkgeschäft nicht das Core Business darstellen. Am wahrscheinlichsten ist daher, daß das ausländische 3G-Konsortium von Sonera und Telefónica bald das Handtuch wirft oder die Viag Interkom als der kleinste deutsche Mobilfunkanbieter, dessen Gesellschafter British auch andere Alternativen hat.

Dem gegenüber dürfte MobilCom fest entschlossen sein, zusammen mit France Telecom zumindest zwei Frequenzblöcke zu ergattern. Warum? Nun, MobilCom-Chef Gerhard Schmid will unbedingt in das Mobilfunk-Geschäft mit einer eigenen Lizenz einsteigen. Bisher hat der Holsteiner auch immer das erreicht, was er sich vorgenommen hat – koste es, was es wolle. Und France Telecom-Boss Michel Bon hat noch eine Rechnung offen mit seinem Erzrivalen Ron Sommer. Dieser wollte seinen damaligen Kooperations-Partner bei der beabsichtigten Fusion mit Telecom Italia etwas unfein übergehen…so etwas rächt sich früher oder später. Mit Schmid und dem Franzosen Bon finden sich also zwei Akteure in einem Boot, die an einem Strang ziehen und den deutschen Mobilfunkmarkt etwas aufmischen wollen.

Als zukünftiger Nutzer verfolgt man die letzte Schlacht um die Milliarden jedoch mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Einerseits fließt dem Finanzministerium eine hübsche Summe zu, die den Staatshaushalt entlasten wird. Andererseits treiben die Lizenzgebühren die zukünftigen Nutzungskosten für die Endkunden in die Höhe – es ist bereits jetzt davon die Rede, daß die Provider die Subventionierung von Handys und Verträgen zurückfahren wollen. Ob die Verbraucher darüber hinaus noch willens und bereit sind, höhere Grundgebühren zu zahlen, um von überall im Internet surfen zu können oder sich die neuesten Music-Clips aus dem Netz ziehen zu können bleibt offen.

Auch die Aktionäre haben in jedem Fall das Nachsehen: Ersteigert ihr Unternehmen eine Lizenz, so steigen die Schulden exorbitant in die Höhe, die Zinslast steigt und der Gewinn je Aktie sinkt. Geht die Gesellschaft jedoch leer aus, so ist das aus strategischer Sicht ungünstig: Man muß bei einem der Sieger anklopfen, um als Service-Provider die moderne Technik mitvermarkten zu können. Eine eigene Lizenz ist da aufgrund der zu erwartenden hohen Nutzungsgebühren auf jeden Fall lukrativer. Angesichts dieser Tatsachen ist es schon erstaunlich, daß sich nicht einige Mitbieter schon im Vorfeld abgesprochen haben, um den Milliardenpoker nicht ins Unermeßliche steigen zu lassen. Ein Gentlemen-Agreement hätte gerade für die kleineren Unternehmen sicher eine Erleichterung gebracht.

Politiker, Finanzexperten und Lobbyisten stehen einstweilen schon Gewehr bei Fuß, denn es gilt, Pfründe zu sichern und sich selbst zu profilieren – hier zeichnet sich bereits ein Nebenkriegsschauplatz ab, der äußerst amüsant zu beobachten ist. Hans Eichel demonstriert indes Härte: Er will die UMTS-Milliarden nicht zweckentfremden und sie ausschließlich zur Schuldentilgung verwenden. Nur die zu erwartenden Einsparungen bei den Zinsausgaben sollen von 2001 an für Investitionen in den Bereichen Verkehr, Bildung und Forschung zur Verfügung stehen. Hoffentlich schießt der Finanzminister bei beim Ablauf der Auktion jedoch kein Eigentor: Die Telekom-Anbieter werden den Kapitalmarkt voraussichtlich schon in den nächsten Wochen mit Anleihen überschwemmen, um die teuren Lizenzen zu refinanzieren. Dadurch sinken die Kurse am Rentenmarkt, die Zinsen steigen, und der Bund als mit Abstand größter Schuldner und Hauptaktionär der Deutschen Telekom hat das Nachsehen!

Hoffen wir also im volkswirtschaftlichen Interesse, daß das unsinnige Wettbieten bald ein Ende hat. Dann sollte es aus dem beschaulichen Mainzer Vorort Gonsenheim lauten: „Zum ersten, zum zweiten und zum dritten!“ statt „Wolle mer´n roi losse!“.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.