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Die Volkswirte, die sich in den vergangenen Tagen zu den Auswirkungen der Preissteigerungen auf die Weltwirtschaft geäußert haben, sehen die Lage vergleichsweise entspannt. Der Anstieg von 30 auf 70 US-$ pro Fass habe die Weltkonjunktur nicht abwürgen können, da sei ein weiterer, nun prozentual sehr viel kleinerer Anstieg, nicht wirklich dramatisch.

Auch die Erkenntnis, dass ein beträchtlicher Teil der Öleinnahmen von den Förderstaaten in Form von Aufträgen in die Industrieländer zurück fließt, dürfte zur Beruhigung hiesiger Anleger beigetragen haben. Schließlich profitieren davon besonders die exportorientierten Wirtschaftszweige wie der Maschinen- oder Anlagenbau. Doch irgendwann wird sich die Befindlichkeit ändern, mutmaßlich abrupt: Nahost-Krise und 11,3 % Wirtschaftswachstum in China im 2. Quartal drücken aufs Gemüt – da sollten sich nicht allzu viele Hurricanes im Golf von Mexiko zusammenbrauen oder wütende Demonstranten in Venezuela oder Nigeria zusammenrotten.

Der Blick auf die Kurstabellen in den vergangenen Handelstagen hat schon die ersten Verwerfungen gezeigt: Ausgerechnet Solar- und Windkraftaktien mussten zum Teil herbe, weit höhere als marktdurchschnittliche Kursverluste einstecken, obschon diese Unternehmen von den erwarteten Ölpreissteigerungen besonders profitieren sollten. Gewinnmitnahmen, gewiss, aber gerade die sind in dieser Situation Zeichen wachsender Unsicherheit.

Wo liegt die Schmerzgrenze, welchen Ölpreis toleriert der globale Anleger? Diese Frage dürfte bei Anlageentscheidungen oder der Abwägung, wann es Zeit sein könnte auszusteigen, zunehmend in den Mittelpunkt rücken. Fundamentale Daten werden in diesen Situationen gerne ausgeblendet. Auf die kommende Berichtssaison zum 2. Quartal, bei der überwiegend mit guten Ergebnissen gerechnet wird, sollten also nicht übertrieben große Hoffnungen gerichtet werden.

Stefan Preuß

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