Offensichtlich glaubt Manfred Krug, Menschen hätten besagte Aktie nur deshalb ins Depot genommen, weil er sie empfohlen hat. Dazu ist zu allererst festzustellen: Wer Aktien nur deshalb kauft, weil ein Schauspieler sie anpreist, dem ist ohnehin nicht zu helfen. Eine Investment-Entscheidung liegt immer in der ganz persönlichen Verantwortung des Einzelnen. Egal, was der freundliche Kundenberater sagt. Egal, was der clevere Rechercheur des Anlegermagazins schreibt. Egal, was der Onkel im Fernsehen schwafelt.

Also, Herr Kommissar, kein Grund zur Scham. Wer an der Mutter aller Märkte investiert muss in Abwandlung eines Churchill-Zitates über Rennbahnen wissen: Nicht alle Ganoven sind an der Börse – aber alle an der Börse sind Ganoven. Und überhaupt: Wo kämen wir hin, wenn sich jeder für eine Empfehlung, die sich nicht vollends als Kursrakete herausstellt, entschuldigen würde? Vor lauter „T´schuldigung, bitte“ käme wahrscheinlich der Handel zum Erliegen. Außerdem lässt die Bezeichnung T-Aktie ja Raum für Spekulationen: T wie Trash zum Beispiel könnte es ja auch heißen.

Des weiteren gelten mildernde Umstände. Erstzeichner und Frühkäufer hatten ja die Gelegenheit, satte Gewinne einzustreichen. Kann ja niemand verlangen, dass Krug bei Kursen um 90 oder gar 100 Euro wieder auf der Mattscheibe erscheint und sagt: „Ich verkaufe – verkaufen sie mit.“ Die Aktie, die ausschließlich steigt, ist noch nicht erfunden. Nein: Was für Hautcreme-Tipps von Uschi Glas, Sandalen-Empfehlungen von Heidi Klum oder Lotterie-Occasionen von Günther Jauch gilt, hat auch bei Aktien Bestand: Man kann es zur Kenntnis nehmen oder auch lassen – die Entscheidung liegt letztlich bei jedem selber.

Stefan Preuß