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Der Manager als solcher hat es ja auch nicht leicht. Von der Politik als vaterlandsloser Geselle tituliert, von den Gewerkschaften als rücksichtsloser Knecht des auf Profitmaximierung fixierten Großkapitals gegeißelt und von den Arbeitnehmern misstrauisch als im Zweifelsfalle über Massenentlassungen gehender Sanierer beäugt, gibt es nun auch noch Kritik von der anderen Seite. 20 eingehende Interviews mit namhaften Finanzinvestoren hätten ein großes Maß an Unzufriedenheit über die Management-Qualitäten deutscher Unternehmenslenker ergeben. So berichtet es der Harvard Business Manager, der übertrieben kritischer Einstellung gegenüber Führungskräften maximal unverdächtig ist. Managerschelte reloaded, und zwar aus ganz neuer Ecke.

Deutsche Manager hätten zum Beispiel kein belastbares Netzwerk, heißt es bei Investoren und Fondsmanagern. Die Mitglieder eines Netzwerks müssten bereit sein, untereinander Allianzen zu formen, Entscheidungen der Mitglieder zu stützen und gemeinsam Geschäfte zu machen. Über die dafür nötige Tiefe und Breite von Beziehungen würden jedoch zu wenige Manager verfügen, heißt es. Hört sich irgendwie nach Kungelei und zumindest nicht über alle Zweifel erhabene Absprachen an, die da gefordert werden. Nebenbei zeigt sich eine gewisse Maßlosigkeit des Anmaßens derer mit dem Geldköfferchen.

Auch was die Vertretung der Interessen der Investoren angeht, kurz die „Shareholder-Perspektive“, gibt es Grund zur Klage. Eine Interview-Partnerin wird so zitiert: „Wie die von uns geforderten Ergebnisse erreicht werden, ist uns im Grunde egal. Man darf es eigentlich nicht laut sagen: Aber Unternehmen sind für uns eine Geldquelle. Das Management muss unsere Forderungen erfüllen, sonst werden Personen ausgewechselt … das ist nicht immer im Sinne des Unternehmens und schon gar nicht im Sinne der Mitarbeiter." Man muss nicht Linkspartei wählen, um Sympathie mit jenen Managern zu entwickeln, die sich einem solchen Regime zumindest nicht vollumfänglich beugen. Sehr nett auch folgendes Thema. „Vielen deutschen Managern fehlt es auch an der Fähigkeit zur Selbstdarstellung, die meisten seien viel zu altbacken, kritisieren einige der Investoren“ heißt es weiter.

Alles in allem lässt sich die Kritik so zusammenfassen: Ganz offensichtlich sind die deutschen Manager in der Regel keine Dampfplauderer, die in geheimen Absprachen besonders lohende Deals einfädeln und im übrigen halsbrecherische Renditeziele ohne Rücksicht auf die Überlebensfähigkeit des Unternehmens gnadenlos durchsetzen. So gesehen ist die Schelte ein ziemliches Lob. Ist ja auch mal ganz nett.

Stefan Preuß