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Die Ratingagenturen also sind die bösen Buben. Ein wenig oberflächlich seien die Einschätzungen der Risiken ausgefallen, im Ganzen viel zu positiv – man behalte sich Schadenersatzforderungen vor. So lauten zusammengefasst die Einlassungen zahlreicher Sprecher. Selbst wenn die Vorwürfe zu einem Teil berechtigt sein sollten – als Ausrede taugen sie nicht wirklich. Denn die Meinung einer Ratingagentur kann nur ein Hilfsmittel bei der Bewertung eines Risikos sein, nie aber die eigene Einschätzung und Bewertung ersetzen.

Wenn ein angehender Häuslebauer hierzulande ein Hypothekendarlehen begehrt, muss er Steuererklärungen und Gehaltsnachweise vorlegen, der Schufa-Auskunft zustimmen und darlegen, dass er Zinsen und Tilgung tatsächlich leisten kann. Bei Selbständigen und Freiberuflern wird zumeist das Geschäftsmodell geprüft, selbst wenn die Beleihungsgrenzen unterhalb 50% liegen. In den nun zu beklagenden Fällen ist es aber offenbar so, dass über die Schuldner reinweg gar nichts bekannt ist. Es sind Risiken eingegangen worden, ohne jede Information über die Schuldner zu besitzen. Wenn das seriöses Banking ist möchte man sich unseriöses gar nicht ausmalen.

Das Urteil einer Ratingagentur darf nicht dazu führen, den gesunden Menschenverstand auszuschalten. Ein Triple A-Ranking und trotzdem weit überdurchschnittliche Renditen, das passt nicht zusammen. Eines gehört zu den wenigen wirklich unumstößlichen Gesetzen an den Finanzmärkten: Großen Gewinnchancen stehen immer entsprechende Risiken gegenüber. Ein wenig erinnert das Verhalten der Subprime-Hasadeure an jenes von ebay-Käufern, die ein originalverpacktes Lacoste-Polo für 7,95 € ersteigern und sich nach dem ersten Waschen wundern, dass es zwei Nummern eingelaufen ist. Nebenbei offenbart die Krise geradezu unglaubliche Lücken in der Risikosteuerung und Aufsicht einiger, vor allem öffentlicher Finanzinstitute. Solvabilitätsrichtlinien sind vielerorts offenbar nur vom Hörensagen bekannt.

Sich verzocken und dann auch noch hinter dem Rücken der bösen Ratingagenturen in Deckung gehen wollen: Das zeugt nicht nur von limitierter fachlicher Expertise, sondern auch von begrenzter Einsicht in Verantwortlichkeiten.

Stefan Preuß