Schon daher bleiben einschlägige Firmen ein interessantes Börsenthema. Die Kurshüpfer, die die konventionellen Versorgungsunternehmen seinerzeit machten, als Kandidatin Angela Merkel die Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke im Falle des Regierungswechsels ankündigte, sind ein sehr schönes Beispiel dafür, daß politische Börsen sehr kurze Beine besitzen. Längere Laufzeiten für die Atommeiler stoßen laut Umfragen beim ganz überwiegenden Teil der Bevölkerung und damit auch CDU-Wählern auf Ablehnung, und Politik und Wirtschaft wären auf Dauer gut beraten, nicht ständig gegen den Willen der Mehrheit zu regieren.

Der letzte, der das noch nicht ganz verinnerlicht hat, ist Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger. Mit dem epochalen Argument, daß mehrere Tausend Arbeitsplätze an die Atomkraftwerke gekoppelt seien, forderte er unlängst nochmals die Laufzeitverlängerung. Daß bei Produktion und Installation von Photovoltaik- oder Solaranlagen, Windkraft-, Blockheizkraft- und Holzpelletwerken ein Vielfaches an Arbeitsplätzen und Wertschöpfung entsteht, wird von der Atomlobby und ihr gewogenen Politikern gerne verdrängt. Wind ernten statt Protest-Stürme lautet das Motto des Jahrhunderts.

Fakt ist: Auch die Ewiggestrigen können den Lauf der Dinge nicht aufhalten. Weder in Deutschland noch anderswo. Zwei Beispiele aus Europa: In Spanien will die Regierung den Anteil erneuerbarer Energien bis 2010 von jetzt 19,8 auf mehr als 30 % steigern, auch dort gilt ein Gesetz, das in der Einspeiseregelung dem deutschen Erneuerbare Energien-Gesetz ähnelt. Sehr ehrgeizig sind auch die Pläne der schwedischen Regierung. Bis 2020 wollen die Skandinavier nicht nur komplett aus der Stromversorgung mit fossilen Quellen aussteigen, sondern Strom aus erneuerbaren Energien sogar exportieren.

Es ist nur wahrscheinlich, daß weitere Staaten dem Beispiel hin zu erneuerbaren Energien folgen. Das heißt: Der Markt wird weiter wachsen. Gut aufgestellte Unternehmen der Branche, denen die Internationalisierung ihres Geschäftes bereits geglückt ist, stehen also erst am Anfang ihrer Wachstumsstory.

Stefan Preuß

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