Stahlkonzerne zum Beispiel sind den jüngeren Anlegern nur im Zusammenhang mit Werksschließungen, Massenentlassungen und Subventionsabbau bekannt. Nun, angesichts des Wirtschaftsbooms in Fernost brummt das Geschäft. Allein in den vergangenen fünf Monaten legte der Stahlpreis um etwa 30 % zu.

Nichts deutet im Moment darauf hin, daß der Preisauftrieb gestoppt werden könnte. Eine Stahl-OPEC, die mal eben die Erhöhung der Produktionsmenge beschließt, gibt es nicht. Die Nachfrage, vor allem in China, ist enorm. Und wenn nun auch noch die Konjunktur in Europa anspringt und mit ihr die Autoproduktion, verschärft sich die Preis-Situation weiter. Satte Preisaufschläge gab es auch für Eisenerz, Kohle, Koks und Schrott – und natürlich bei den Frachtraten.

Wenn man so will, war die Entwicklung absehbar: Kaum eine Branche wie die Stahl- und auch die Aluminiumindustrie hat in den vergangenen Jahren einen ähnlich starken Konzentrationsprozeß durchgemacht. Nun rächt es sich, daß Kapazitäten abgebaut und die Reduzierung auf wenige Großkonzerne zugelassen wurde.

Die Aktien der verbliebenen Stahlkonzerne sind in den zurückliegenden zwölf Monaten gut gelaufen, auch wenn sie zuletzt zumeist ein wenig zurückgekommen sind, dies im Zuge der allgemeinen Korrektur der zuvor etwas erhitzten Rohstoff-Hausse. In diesem Bereich liegen derzeit nicht die attraktivsten Investment-Ideen. Klar ist aber, daß nach Jahren des Kapazitäts-Abbaus nun die Zeit für neue, moderne Anlagen gekommen ist.

Anlagenbauer und vielleicht doch wieder Software-Unternehmen, die Stahlwerke mit Inspektions-Systemen ausrüsten, könnten in den kommenden Monaten und Jahren durchaus Gewinner dieser Entwicklung sein. Vor Problemen dürften die Automobilindustrie, deren Zulieferer sowie auch die heimische Bauindustrie stehen: Die Kosten steigen überproportional, während die Verbraucher in ihrer „Geiz ist geil“-Mentalität schon lange keine Preiserhöhungen akzeptieren.

Stefan Preuß

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