Es scheint zu den unabänderlichen Gesetzmäßigkeiten in der Bundesrepublik zu gehören: Immer wenn auf diesem Planeten Terroristen zugeschlagen haben, melden sich selbsternannte Hüter von Recht und Ordnung zu Wort. Neue Gesetze, härtere Strafen, mehr Überwachungen lautet deren Dreifaltigkeit. Die Bekämpfung religiös begründeten Terrors darf an Konsequenz und Härte im Rahmen heutiger Gesetzgebung nicht nachlassen, kein Zweifel. Aber es macht keinen Sinn, mit der Forderung nach immer einschneidenderen Maßnahmen Ängste zu schüren und sich dann als Retter zu positionieren. Da reicht auch der Hinweis auf Wahlkampfzeiten nicht als Entschuldigung.

Terror muslimischer Prägung zielt auf die ökonomische Schwächung des Westens ab. Dessen Stärke lag aber gerade in der bislang ungekannten Freizügigkeit, sei es für Reisende, Waren oder Kapital. Diese Freizügigkeit ist bereits namhaft eingeschränkt, und Einrichtungen wie das US-Lager Guantánamo sind zudem nicht förderlich, die moralische Überlegenheit des westlichen Gesellschaftssystems zu dokumentieren, wenn es um Gerechtigkeit gegenüber jedermann geht. Islamischen Terror kann man ohnehin nicht mit Gesetzen und Überwachungen eindämmen. Die Überwindung islamischen Terrors kann nur durch und in Zusammenarbeit mit Islamgläubigen selber gelingen.

Jede aktuelle Forderung nach mehr Härte oder neuen Gesetzen ist daher nicht nur wenig zielführend, sondern geradezu schädlich. Das gilt auch schon für Diskussionen darüber. Es muß Ruhe und Besonnenheit einkehren. So wie in London schon wenige Tage nach den Anschlägen. Das schließt Wachsamkeit natürlich nicht aus. Aber die westliche Gesellschaft darf ihre Errungenschaften in Sachen Freiheit und Freizügigkeit nicht auf dem Altar vorgeblicher Sicherheit opfern, denn diese Errungenschaften sind die Grundlage unseres Wohlstandes.

Nun ja, in einem sollten sich Börsianer aber dann doch ändern: Der gerne und häufig gebrauchte Ausdruck von den ausgebombten Kursen sollte keine Verwendung mehr finden. Diese martialische Sprache paßt nicht in die aktuelle Zeit.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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