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Die Börse ist ein gigantischer Mechanismus zur Informationsverarbeitung – Informationen über die Preise von Aktien. Das war die Grundannahme für Eugene Fama, als er 1970 seine – bis heute heiß umstrittene – Theorie der effizienten Märkte veröffentlichte. In Famas Welt hat jeder Anleger unmittelbaren („instant“) Zugriff auf alle kursrelevanten Informationen. Transaktionskosten gibt es keine. In Wirklichkeit gelten diese Annahmen natürlich nicht, weshalb Anleger mit schnellerem Informationszugriff und geringeren Transaktionskosten echte Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz haben. Der Service von Instinet besteht darin, seinen Kunden genau diese Wettbewerbsvorteile zu liefern.

Instinet-Kunden – typischerweise Finanzinstitutionen – können Aktien an über 20 Börsen in den USA, Europa und Asien handeln. Die elektronische Handelsplattform bringt Käufer und Verkäufer anonym zusammen. Dazu bietet Instinet zahlreiche Research Tools wie z.B. technische Indikatoren. 90 % der institutionellen Fondsmanager in den USA benutzen das Instinet-Aktienhandels-System, und rund ein Fünftel des Nasdaq-Handels läuft über Instinet. Durch diesen Pool an Liquidität kann Instinet die Geld-Brief-Spanne auf ein Minimum reduzieren.

Instinet besitzt 12 % an Archipelago, einer elektronischen Börse mit Sitz in Chicago, die mit der Nasdaq konkurriert. Darüber hinaus sind die Amerikaner mit rund 8 % an Tradepoint beteiligt, einer elektronischen Börse mit Sitz in London, die 150 Mitglieder hat (darunter Goldman Sachs, Credit Suisse First Boston, Merrill Lynch, Morgan Stanley u.v.a.m.). Außerdem hält Instinet rund 9 % an W.R.Hambrecht & Co., einem US-Internet-Unternehmen, das IPOs im holländischen Auktionsverfahren anbietet. Im März erwarb Instinet 13 % von Vencast.com – einem Internet-Finanzanbieter im Private Equity-Bereich. Darüber hinaus hat Instinet in diesem Jahr eine eigene Handelsplattform für den Rentenmarkt gestartet und plant einen professionellen Broker Service für Privatkunden. Auch im Rahmen der Spekulationen um die Zukunft der Londoner Börse ist der Name Instinet bereits gefallen.

Im Reuters-Konzern ist Instinet ein Juwel. In den ersten neun Monaten dieses Jahres hat Instinet 823 Mio. US-$ umgesetzt – 48 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Analysten rechnen mit einer Bewertung zwischen 4,5 und 5,5 Mrd. US-$. Auf einen genauen Zeitpunkt für den Börsengang wollte sich Reuters noch nicht festlegen, da die Marktstimmung für Technologie-Aktien entscheidend für das Timing sein wird – nicht zuletzt, weil Instinet sehr abhängig vom Nasdaq-Geschäft ist. Trotzdem sollten Anleger das Unternehmen im Auge behalten – in der oben angegebenen Bewertungsspanne erscheint Instinet durchaus attraktiv.

Quelle: GoingPublic Magazin 12/00, S. 114. Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.