Die Milliardenabschreibungen rattern nur so durch, und wie so oft fügt es sich, dass aus Gründen höherer Raison Gewinne jahrelang privatisiert, nun aber viele Verluste sozialisiert werden. Das freut niemanden, und entsprechend laut sind die Rufe nach Regulation, auf dass dergleichen nie wieder vorkommen möge. Nicht nur von den üblichen Verdächtigen, denen so etwas wie ein regulatorischer Reflex angeboren zu sein scheint, sind einschlägige Forderungen zu vernehmen. Auch aus dem Kreis jener, die der Förderung staatlichen Einflusses bislang hinreichend unverdächtig sind, kommen Wortmeldungen, dass man sich mit dem Gedanken stärkerer Regulation durchaus anfreunden könne.

Die Forderung nach Regulation impliziert, dass sie als wirksames Mittel eingeschätzt wird. Wenn das mal kein eitler Selbstbetrug ist. Kein Wirtschaftszweig ist globaler als die Finanzbranche, begründet in der Intangibilität der Ware: Man braucht keine Flugzeuge oder Tanker, um Geld zu expedieren. Das heißt: Ohne die Mitwirkung der USA geht gar nichts. Keine ermutigende Perspektive angesichts der fortgeschrittenen Realitätsverweigerung der Regierung Bush. Der „Assault on Reason“ gilt ja nicht nur in Sachen Erderwärmung, sondern auch bei der Bewältigung der Finanzkrise. Und selbst bei einem Sieg eines demokratischen Bewerbers sind dessen Möglichkeiten eingeschränkt. Die Wall Street ist nicht umsonst Hauptfinanzier der (Vor-)-Wahlkämpfe. Anders formuliert: Politik ist mehr denn je lediglich der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.

Nein, die Lösung kann nur aus den Banken heraus erfolgen. Bankräuber sind Dilettanten, Bankgründer die wirklichen Profis – was zu Zeiten Bertolt Brechts ein Bonmot hergab, hat sich heute weiterentwickelt: Die offensichtliche Abwesenheit von Anständigkeit und ungezügelte Risikobereitschaft in einigen Bankbereichen stellen das eigentliche Problem dar – ob geduldet oder nicht, kann hier offen bleiben Diese Defizite lassen sich nicht mit Aufsicht heilen. Für die innere Hygiene müssen die Banker schon selber sorgen.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne ist ein Service des GoingPublic Magazins, Deutschlands großem Kapitalmarktmagazin. Bezogen werden kann das Magazin unter www.goingpublic.de. GoingPublic ist allein für die Inhalte der Kolumne verantwortlich. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar. Die Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.