Ölpreis-Orakel haben Konjunktur. Asiens wachsender Verbrauch, der Einfluß von Spekulanten und Langzeit-Wetterprognosen über das Kältepotential des kommenden Winters – kaum ein Faktor, dem nicht tiefste Bedeutung zugemessen würde. Nun melden sich Wissenschaftler zu Wort, und ihre Einschätzung ist Öl auf die Mühlen derer, die die Energiewende weg vom fossilen Brennstoff fordern.

Das Schlagwort, das noch viele Anleger beunruhigen wird, lautet „Peak Oil“. Damit wird das mittlerweile bewiesene Phänomen bezeichnet, daß jedes Ölfeld für sich und in Summe daraus resultierend die gesamte Förderung auf diesen Planeten einen Scheitelpunkt in der Förderung erreicht. Ist etwa die Hälfte eines Feldes gefördert, läßt der Druck kontinuierlich nach: Es wird zunehmend schwerer und teurer, den Rest an die Erdoberfläche zu pumpen. Kommen viele Felder über den Scheitelpunkt, sinkt die weltweite Förderung, oder sie kann nur unter immensen Kosten aufrecht erhalten werden.

Wissenschaftler wären nicht Wissenschaftler, wenn sie bei der Betrachtung einer physikalischen Gegebenheit nicht zu unterschiedlichen Auffassungen kämen. Liegt der Scheitelpunkt noch vor uns? Befinden wir uns gerade auf dem Peak? Oder ist das Beste der Party schon vorbei, nur haben es die wenigsten noch gar nicht bemerkt? Ein Berater der Bush-Regierung meinte kürzlich, er erwarte in den kommenden Jahren Preise von bis zu 250 US-$ pro Barrel.

Das dürfte dann ein wenig zu teuer sein, um es auf Autobahnen zu verfeuern oder Getränkekisten daraus zu fertigen. So gesehen ist die verminderte Förderung von erneuerbaren Energien, wie sie derzeit im Bundestagswahlkampf von einigen Parteien gefordert wird, überaus töricht. Aber das ist ein anderes Thema. Doch selbst wenn der Preis langsamer und nicht ganz auf diese Höhe steigt: Der Druck, Alternativen zu finden, steigt immens.

Das Thema Brennstoffzelle/Hybridantrieb im Problemkreis Mobilität und Logistik ist börsentechnisch bereits breit diskutiert und Aktien entsprechend aktiver Unternehmen heute gut bezahlt. Aber wie wird Öl als Grundstoff der Chemieindustrie substituiert? Derzeit deutet vieles auf ein (Teil)-Comeback des Agrarsektors hin. Kokosmatten im Auto und Zellulose in der Hauswand dürften nur der Anfang sein. Kunststoff wird weiter eine Rolle spielen, aber nur als High Tech-Produkt und nicht als Plastiktüte oder Sprudelflasche. Die großen Agrargesellschaften als Erzeuger von Biomasse, die zu den verschiedensten Produkten verarbeitet werden kann, stehen wohl vor einer glänzenden Zukunft. Zurück zu den Wurzeln, gewissermaßen.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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