Wie lautet doch der Rat einer großen Handelskette für Computer und Haushaltsgeräte: „Laßt Euch nicht verarschen, vor allem nicht beim Preis“. Genau so fühlen sich aber jene, die einst für das Dreifache des heutigen Angebots Stücke des Online-Providers geordert hatten. Klar: Niemand ist gezwungen, Aktien zu kaufen, und schon gar nicht Stücke eines derart mäßig erfolgreichen Unternehmens.

Krasser Fall von Raubtier-Kapitalismus also? Eher nicht: Nur fünf Jahre nach einem Börsengang alles wieder zu revidieren, sieht eher nach einem Management-GAU aus: größter anzunehmender Umfall. Was zeigt der Vorgang noch? Genau: Die Politik hat mit ihrer Kapitalismuskritik ein ziemliches Glaubwürdigkeitsproblem. SPD-Chef Franz Müntefering trifft mit vielen Feststellungen über ethische Defizite bei Spitzenmanagern und Verbandsfunktionären den Nagel auf den Kopf. Als Zorro für die Opfer der Auswüchse des Kapitalmarktes gibt er aber eine ziemliche Fehlbesetzung ab.

Der Bund ist schließlich nicht ohne Einfluß bei der Telekom, um es zurückhaltend zu formulieren. Das hat zum Beispiel die erzwungene Demission von Telekom-Chef Ron Sommer gezeigt. Es wäre also möglich gewesen, auf eine andere, sozialverträglichere Lösung zu drängen. Der Einwand, Müntefering sei „nur“ Parteichef und nicht Regierungsmitglied, wäre nur theoretischer Natur. Nein, hier haben wir es mit einem klassischen Fall von Wasser-Predigen und Wein-Trinken zu tun.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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