Veränderte Umweltbedingungen, das sind sich verkürzende Produktlebenszyklen, das ist die zunehmende Virtualisierung der Produktion von Dienst- wie Sachleistung, das ist die Individualisierung der Kundenwünsche, der zunehmende Zeitwettbewerb und zu guter letzt natürlich die Globalisierung der Märkte.

„Think global“ als unternehmerisches Erfolgskonzept, das ist es, was die Herzen der Manager von L.A. bis Wladiwostok höher schlagen läßt. Produktion in Indien, Vertrieb in den USA und Firmensitz in Hannover. So sieht der Idealtypus eines globalen Unternehmensnetzwerkes aus. Der zweite Ansatz des „Think global“-Konzeptes ist die Ausdehnung des Zielmarktes von der nationalen auf die internationale Ebene.

Schon fast als Modeerscheinung könnte das aktuell grassierende Übernahmefieber der Gesellschaften bezeichnet werden, ist es doch die einfachste Lösung, ein global agierendes Unternehmen mit der dafür nötigen „kritischen Größe“ zu zimmern.

Global agieren wollen aber nicht nur Automobilhersteller; auch deutsche Online-Broker haben sich dieses Motto auf die Fahnen geschrieben. Die Nürnberger ConSors Discount Broker AG ging dabei mit gutem Beispiel voran und kaufte sich Ende letzten Jahres zu 75 % bei dem spanischen Wertpapierhandelshaus Siaga ein. Wenig später stand Italien auf dem Programm, wo die Nürnberger mit ONBanca und Banca Popolare Commercio e Industria einen neuen Online-Broker gründen. Nun soll Großbritannien auf der Prioritätenliste ganz oben stehen. Was daraus wird, bleibt abzuwarten.

Im harten Kampf um Marktanteile will der Wettbewerber comdirect natürlich in nichts nachstehen. Kurz vor dem anstehenden Börsengang veröffentlichte das Quickborner Unternehmen den Schritt nach Frankreich. 95 % des französischen Direct-Brokers Paresco-Bourse wurden übernommen, um die französische Dependance comdirect.fr etablieren zu können, denn auch die comdirect weiß um die Wichtigkeit einer mindestens paneuropäischen Präsenz. Vorstandsvorsitzender Bernt Weber erklärte, daß man in diesem Jahr noch in Großbritannien und anschließend in Italien starten werde.

Noch befindet sich die Branche der Online-Broker in keiner starken Konsolidierungsphase. Die Experten von dem Analyse-Haus Datamonitor erwarten aber, daß im härter werdenden Wettbewerb nicht jeder Online-Broker überleben wird. Nur jene haben eine Chance, die eine breite Produktpalette anbieten können, oder als Brokerage-Zweig an eine Vollservice-Bank angeschlossen sind. Besonders in einer anhaltenden Schwächephase de Marktes dürfte den Nischenanbietern schnell die Luft ausgehen. Die Branche ist sehr schnelllebig – Sie erinnern sich: Zunehmender Zeitwettbewerb – deswegen, müssen sich die Direct-Broker bis zum nächsten Jahr strategisch positioniert haben, so Datamonitor.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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