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Es ist gar nicht exakt anzugeben, wie lange das schon andauert. Doch es sind bereits ewige Jahre. Alle Gesetze, die wir früher einmal gelernt haben, gelten heute nicht mehr. Als wir an den Märkten groß geworden bin, da hieß es immer: „Lege nicht alle Eier in einen Korb.“ Also diversifiziere. Denn gehen die Aktien in Europa in die Knie, dann muss das in Asien noch längst nicht der Fall sein. Und investiere natürlich auch noch in andere Assets: Kaufe Festverzinsliche und Gold, dann bist du gut abgesichert, wenn es mit den Aktien einmal nichts ist.

Und ich weiß noch, wie gut das gemeinhin klappte. Der Dax lief zwar durchaus stets im Gleichschritt mit dem Dow Jones, doch die Diversifizierung in andere Anlageklassen klappte hervorragend. Immer wenn ich Angst vor einem Crash hatte, habe ich langlaufende Anleihen gekauft. Die schossen dann plötzlich in die Höhe. Und anders herum ging es mit dem Gold. Hiermit konnte man in den 90er Jahren wunderbar seine Aktiengewinne schmälern, was ja auch einen wunderbaren Hedge ausmacht.

Heute ist von all dem allerdings nicht mehr viel zu spüren. Heute heißt es zwar immer noch „Nicht alle Eier in einen Korb“, doch dann kommt die Wirklichkeit und kleckst diese Strategie mit einer dicken Soße zu, auf deren Etikett steht: „Heute ist alles ein Senf.“ Heute haben wir es also mit Senfeiern zu tun. Wir leben in einer Senfeier-Welt. Und das hat durchaus nichts Bodenständiges an sich.

Erinnern wir uns nur an die letzten Wochen. Da ging wieder einmal alles in den Keller, Aktien, Gold – und die langlaufenden Bonds wurden sogar regelrecht geschlachtet, verloren mehr als ihren Coupon in ein, zwei Wochen. Und jetzt marschieren alle Assets wieder schön im Gleichschritt bergauf.

Wie verhält man sich nun als aufgeklärter Anleger in einer derartigen Senfsauce? Ich denke, wir müssen den Eierspruch schlichtweg etwas abwandeln. Heute darf es nicht mehr heißen, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, sondern vielmehr: „Kaufe nicht mehr für alles Geld Eier!“

Konkret bedeutet das: Die einzige Anlageform, die sich dem Gleichschritt an den Märkten entzieht, ist das Geld. Bargeld besitzt kein Kursrisiko, und nur wer Geld hält, reduziert die Gefahren seiner Anlage. Das kostet in einer heftigen Aufwärtsbewegung zwar einige Prozente entgangener Gewinne, doch es gibt in der Abwärtsbewegung die Möglichkeit, beherzt zuzufassen, wenn wir Ausverkaufskurse haben.

Die Bedeutung der Geldhaltung steigt in den letzten Jahren also immens an. Ist hier vielleicht sogar ein Zusammenhang zu den stark steigenden Geldmengen der letzten Zeit zu erkennen? Kann man auf dieser Sichtweise vielleicht sogar eine neue Geldtheorie entwickeln? Dazu werde ich in 14 Tagen an dieser Stelle nochmals konkret werden.

Bernd Niquet

Die GoingPublic Kolumne ist ein Service des GoingPublic Magazins, Deutschlands großem Kapitalmarktmagazin. Bezogen werden kann das Magazin unter www.goingpublic.de. GoingPublic ist allein für die Inhalte der Kolumne verantwortlich. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar. Die Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.