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Während der Hype-Phase des Neuen Marktes waren sie die vermeintlichen Helden des Neuen Marktes: Vorstände, die aggressiv zugekauft haben. Doch immer weiter fallende Kurse am Neuen Markt brachten das Finanzgerüst der jungen Zahlenjongleure ins Wanken. Denn nicht selten waren außerordentliche Abschreibungen auf die verlustbringenden Töchter fällig. Schließlich hatten die meisten Jung-CEOs, die Investment-Banking spielten, zumindest von den Spielregeln keine Ahnung. Die ehemaligen Börsenlieblinge wurden zu den Buh-Männern der New Economy.

Umso mehr verwundert die jüngste Ad hoc-Meldung der am Neuen Markt notierten BEKO Holding AG, in der eine Beteiligung an der ebenfalls am Neuen Markt gelisteten Camelot tele.communication.online AG bekanntgegeben wurde. Das österreichische Unternehmen ging im Juni 1999 als IT-Dienstleister an die deutsche Wachstumsbörse. Im Laufe der Zeit erfolgte ein Strategiewechsel hin zur Beteiligungsholding. Diese neue Ausrichtung wurde erstmals während der Bilanz-Pressekonferenz im März letzten Jahres kommuniziert.

BEKO möchte nach eigenen Angaben als value-orientierter Finanzinvestor das mittelfristige Upside-Potential von Camelot nutzen. Doch bei der Transaktion gibt es einige Auffälligkeiten. Denn der Call Center-Betreiber Camelot dürfte nach seinen immer neuen Gewinnwarnungen kaum als Value-Investment gelten. Die Mitte letzten Jahres geplante Fusion mit dem ebenfalls am Neuen Markt notierten Call Center-Dienstleister d+s online platzte schließlich. Beobachter stellten sich ohnehin die Frage, ob aus zwei Kranken ein Gesunder werden könne.

Auffällig ist auch, daß BEKO bereits indirekt an Camelot beteiligt ist. Denn die Wiener halten 16 % des in Österreich börsennotierten Call Center-Betreibers CLC AG. Die in Linz ansässige CLC übernahm Anfang November 2001 wiederum die Aktienmehrheit bei Camelot. Der Kreis schließt sich. Doch für CLC handelt es sich um die Übernahme eines Wettbewerbers, für BEKO um eine erneutes Finanzinvestment. So dreht es jeder, wie er es haben möchte. Doch eines sollte inzwischen klar sein. Am Neuen Markt ist längst nicht überall, wo „Value“ draufsteht, auch Value drin…

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.