Auch vor den alten Höchstkursen wurde nicht halt gemacht. Einem High folgte das nächste und die Hausse nährte die Hausse. In diesem Höhenrausch hatte die Mehrzahl der Anleger längst die Angst vor einer Korrektur vergessen. Diese war der Angst gewichen, beim Aufschwung nicht dabei zu sein. Auch die Jahrtausendumstellung, für die im Vorfeld düstere Prognosen die Runde machten, vermochte niemanden mehr zu beunruhigen.

Das Kursfeuerwerk setzte sich dann im Januar fort. Dabei konzentrierte sich das Interesse der Anleger besonders auf ein Marktsegment, das schon in den letzten Jahren zu den Börsenlieblingen zählte – die High-Tech-Aktien.

Für das neue Jahrtausend wollten Anleger mit den „richtigen“ Aktien gerüstet sein. Wachstumsaktien erschienen da als das geeignete Investment. Wurde doch in den Medien immer häufiger und intensiver über die Zukunftsaussichten von Internet- und Biotechnologie-Aktien berichtet. Außerdem war man in den vergangenen Jahren immer gut mit solchen Papieren gefahren. Sicher gab es nach hohen Kursanstiegen auch Korrekturen, doch diese dauerten in den meisten Fällen nur wenige Wochen oder Monate. Untersuchungen zeigen, daß die Mehrzahl der Personen, die in diese Marktsegmente investieren, jung und risikofreudig sind. Viele dieser Anleger haben selbst noch keine längere Korrekturphase am Markt miterlebt. Immer häufiger wurden bei der Aktienauswahl die Fundamentaldaten außer Acht gelassen. Allein in der Zeit von Oktober 1999 bis zum High im Januar 2000 – also in nur drei Monaten – gewann der NEMAX All Share-Index in der Spitze über 90 %.

Doch in den letzten Wochen ist die Volatilität am Markt dramatisch gestiegen. An einigen Börsentagen verlor der Nemax All Share Index über 200 Punkten, um am nächsten Tag diesen Kursverlust mit einem noch größeren Anstieg wieder wettzumachen. Die Nervosität am Markt ist deutlich gestiegen. Das Gespenst von steigenden Zinsen macht die Runde. Stehen wir von einer Kurskorrektur? Eines spricht zumindest dafür: Wurden in der Vergangenheit eher die „guten“ Werte gekauft, die zum Aufschwung beitrugen, so zählten in den vergangenen Wochen Aktien zu den Favoriten, die noch vor wenigen Monaten niemand angerührt hätte. Die Papiere wurden nicht mehr nach der Qualität des Unternehmens ausgesucht, sondern einfach danach, welche Aktie zurückgeblieben ist. Doch wurde ein wesentlicher Aspekt übersehen: In den allermeisten Fällen gab es nämlich gute Gründe, warum diese Aktien bisher schlecht performten! So stieg zum Beispiel Gigabell seit Jahresbeginn von 25,50 Euro auf bis zu 57 Euro in der Spitze, obwohl die aktuellen Geschäftszahlen deutlich schlechter ausfielen als erwartet.

Die Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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