Neuemissionen, das war vor zwei Jahren noch das Synonym für ein Glücksspiel ohne Ausfallrisiko. Aktienzeichnen war Volkssport und jede Berücksichtigung versprach einen sicheren Profit. Gelegenheiten gab es im Jahr 2000 noch viele. Allein am Neuen Markt starteten 134 Unternehmen, die ihren Börsenwert oft binnen weniger Tage vervielfachen konnten. Ein Spiel, bei dem es nur Gewinner gab. Ein Spiel, das im letzten Jahr nicht mehr existierte.

Die aufgeblasenen IPO-Abteilungen der Banken waren mit dem Platzen der High Tech-Blase quasi über Nacht nutzlos geworden, denn Neuemissionen waren nicht mehr zu plazieren. Viele, die noch in den IPO-Pipelines der Banken steckten, strichen die Fahnen und sagten ab, teilweise erst in letzter Sekunde, darunter Lignum und BrainLAB genauso wie die Schnellrestaurantkette Nordsee. Daß der verschlossene Zugang zu frischem Kapital fatale Folgen für die jungen Unternehmen haben kann, zeigt das Beispiel der Werbeagentur NHS. Wenige Wochen nach Abbruch des Börsengangs im September mußte die Insolvenz beantragt werden.

Doch auch diejenigen, die die Hürde Börsengang genommen hatten, erwartete alles andere als das Paradies. Von den leidgeplagten Anlegern verschmäht gingen die Aktienkurse nach der Emission auf Talfahrt. Das Resultat ist ein gemittelter Verlust (gegenüber Erstnotiz) aller Neulinge am Frankfurter Wachstumssegment von knapp 40 %. Größter Geldvernichter waren dabei die Aktien von LS Telcom, die seit dem Börsengang 72 % ihres Werts verloren. Trost bot nur init. Das seit gut vier Monaten am Neuen Markt notierte Telematikunternehmen verhalf seinen Aktionären zu einem Gewinn von immerhin rund 33 %.

Das Schreckensjahr 2001 ist nun vorbei und die Frage stellt sich: Droht 2002 eine Wiederholung des Debakels? Die gute Nachricht vorneweg. Noch ein Jahr mit einem vollkommen zum Stillstand gekommenen Primärmarkt wird es wohl nicht wieder geben. Genauso wenig dürfte 2002 aber ein Jahr des IPO-Booms werden, wie es 1999 und 2000 der Fall war. Der Neue Markt bleibt volatil. Die Angst vor neuerlichen Verlusten ist groß, genauso wie Sorge, den nächsten Aufschwung zu verpassen. Solange die Skepsis vor jungen, technologielastigen Unternehmen noch besteht, wird das Interesse an Neuemissionen verhalten bleiben. Den Sprung an die Börse werden zwar einige wagen, um die 30 könnten es im nächsten Jahr werden, aber wohl nicht sehr viel mehr als 60.

Wer den Gang an den Neuen Markt tut, der wird sich das ganz genau überlegen. Das gilt für die Unternehmen selbst genauso wie auch für die Banken und die haben ein großes Interesse daran, das angeschlagene Geschäft mit Börsenkandidaten wieder zum Laufen zu bringen. Für die Anleger bedeutet dies im besten Fall ein Mehr an Substanz und ein mehr an Sicherheit. Qualität ist der Schlüssel zum Erfolg. Auf „Internetklitschen“ mit Weltmarktführerambitionen fällt in Zukunft hoffentlich keiner mehr herein!

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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