In den letzten Jahren verzeichnete die Anlageklasse der nachhaltigen Investments bei institutionellen Investoren starke, über dem Marktdurchschnitt liegende Wachstumsraten. Allein in Europa gelten 6,8 Billionen EUR als Socially Responsible Investments (SRI), und in den U.S.A. werden 3,74 Billionen USD nachhaltig angelegt. Dies entspricht einem Marktanteil von etwa 10%, wobei Investoren Anleihen Aktien vorziehen (Quelle: Eurosif/US SIF). Rund 1.100 Investoren haben sich zu den Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren der Vereinten Nationen (UN PRI) bekannt. SRI ist damit längst kein Nischenprodukt mehr, sondern spielt bei vielen bedeutenden Anlagegesellschaften eine Rolle.

Berücksichtigung von ESG-Aspekten

Der Nachhaltigkeitsinvestor verfolgt genau wie der herkömmliche Investor ein Renditeziel, berücksichtigt bei seiner Anlageentscheidung aber auch ökologische, soziale und Corporate-Governance-Aspekte. Langfristig gesehen tragen diese Faktoren zur Wertsteigerung eines Unternehmens bei, da zwischen finanziellen Leistungskennzahlen und der Corporate Governance oder der Nachhaltigkeitsperformance eine Wechselwirkung besteht.

Nachhaltige Investmentstrategien sind vielfältig und reichen vom „Best-in-class-Ansatz“ bis hin zum Ausschluss bestimmter Werte beispielsweise aus der Rüstungsindustrie. Die Integration von Environmental, Social und Governance (ESG)-Informationen in die modellbasierte Unternehmensbewertung ist häufig noch schwierig, da sich ihre Auswirkung nur selten kurzfristig am Unternehmenswert nachweisen lassen. Der Fall der BP-Aktie nach der Deepwater-Horizon-Ölpestkatastrophe zeigte 2010 allerdings sehr drastisch, wie der Kapitalmarkt im Extremfall reagiert.

Internationale Pensionskassen, Fondsgesellschaften oder der norwegische Staatsfonds erwarten von Investor-Relations-Managern eine transparente Kommunikation zu ESG-Fragen. Auch in Deutschland treten institutionelle Investoren verstärkt zu diesen Themen auf Hauptversammlungen auf oder äußern sich über die Medien. Angesichts der starken SRI-Wachstumsraten ist eine gute Investorenbeziehung hier nicht nur eine Frage eines erfolgreichen Reputationsmanagements. Mit einer guten Corporate Governance oder Nachhaltigkeitsstrategie können Investor-Relations-Abteilungen diese Langfristinvestoren vielmehr als Kapitalgeber gewinnen.

Nachhaltige Kapitalmarktkommunikation gefragt

Gerade für Unternehmen mit Investoren in den großen SRI-Märkten U.S.A., Großbritannien oder Frankreich gewinnt Nachhaltigkeit in der Kapitalmarktkommunikation an Relevanz. „Integrated Reporting“ ist die Antwort auf die besonderen Informationsbedürfnisse dieser Stakeholder. Ein integrierter Unternehmensbericht verbindet die klassische Finanzberichterstattung mit Informationen zu Umwelt, Sozialem und Corporate-Governance-Themen.

Auch durch neue regulatorische Entwicklungen wird das „Integrated Reporting“ gefördert. Die Europäische Kommission hat 2013 die Rechnungslegungs- und Bilanzierungsrichtlinien für den Jahresabschluss so ergänzt, dass Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern relevante Informationen über ihre Grundsätze, Risiken und Ergebnisse in Bezug auf Umweltbelange, soziale und Mitarbeiter-bezogene Aspekte, die Achtung der Menschenrechte, Bekämpfung von Korruption und Bestechung sowie Vielfalt in den Leitungs- und Kontrollgremien offenlegen müssen. Nach dem Deutschen Rechnungslegungsstandard Nr. 20 sind entsprechende Informationen im Konzernlagebericht auszuweisen. Einige deutsche Emittenten haben mit integrierten Unternehmensberichten bereits eine Vorreiterrolle eingenommen.

Institutionelle Investoren begrüßen diese Neuentwicklung. Der Dialog mit den Anlegern zeigt aber auch, dass ein integrierter Bericht nur dann ihren Anforderungen entspricht, wenn die Berichtsform dem Inhalt folgt. Nachhaltigkeit muss bereits im Geschäftsmodell verankert sein, damit die Wechselwirkung zwischen den veröffentlichten Nachhaltigkeitsinformationen und der Entwicklung des Unternehmenswerts langfristig nachvollziehbar ist. Andernfalls laufen Emittenten Gefahr, dass ihr Bericht als reine PR-Maßnahme wahrgenommen wird.

Auswahl der relevanten ESG-Informationen

Für die Investor-Relations-und Nachhaltigkeitsabteilungen ist die Auswahl der zu veröffentlichenden ESG-Werttreiber nicht einfach – auch weil die internen Controllingsysteme häufig noch nicht auf die Bereitstellung von ESG-Daten ausgerichtet sind. Darüber hinaus muss ein geeigneter ESG-Berichtsstandard – zuletzt erschien das Rahmenwerk des International Integrated Reporting Councils – identifiziert werden. Parallel wächst die Summe der von Nachhaltigkeitsratingagenturen, SRI-Researchteams der Brokerhäuser und NGOs eingeforderten Daten ohne Unterlass. Ihre Erhebung kostet die Unternehmen viel Zeit und Ressourcen. Hier gilt: Nicht jeder Fragebogen muss beantwortet werden. Vielmehr empfiehlt es sich, die Nachhaltigkeitskommunikation auf die Bedürfnisse der für das Unternehmen relevanten Stakeholder zu konzentrieren. Ein von der Deutschen Börse herausgegebener Leitfaden, der auch in Zusammenarbeit mit dem DIRK entwickelt wurde, bietet hier eine sinnvolle Orientierungshilfe.

Emittenten, die über die gesetzlichen Anforderungen zur ESG-Transparenz hinausgehen, sollten im Dialog mit den institutionellen Investoren materielle Kennzahlen identifizieren. Häufig konzentrieren diese sich bei ihrer Anlageentscheidung am Ende auf wenige Key Performance Indicators (KPIs). Je nach Branche kann dies zum Beispiel die CO2-Bilanz oder auch das Anreizsystem für die Vergütung des Managements sein.

Mit Nachhaltigkeit Vertrauen schaffen

Ist Nachhaltigkeit bereits gut im Unternehmen verankert, lässt sie sich verhältnismäßig einfach in die „Equity Story“ einbetten. Viele Unternehmen leben mit einer erfolgreichen Personalstrategie oder einer guten Corporate Governance bereits Aspekte der Nachhaltigkeit, ohne diese bislang in der Kapitalmarktkommunikation akzentuiert zu haben. Aktionäre schätzen besonders den offenen Umgang mit kritischen Themen. Wer diese Aspekte auf Kapitalmarkttagen und Roadshows aufgreift, schafft auch bei institutionellen Investoren Vertrauen, die sich selbst nicht als SRI Investoren bezeichnen würden. Erfolgreiches „Integrated Reporting“ sollte sich somit nicht nur auf eine neue Form des jährlich erscheinenden Unternehmensberichts beschränken. Mit einer Kapitalmarktstory und dem entsprechenden Elevator Pitch, der auf die Wechselwirkung von finanziellen KPIs und ESG-Faktoren hinweist, wandelt sich die klassische Finanzkennzahlenpräsentation zur integrierten Unternehmensdarstellung. Das Gespräch auf der Roadshow ist damit für den Finanzanalysten gleichermaßen von Interesse wie für den Nachhaltigkeitsanalysten. Ihre beiden Urteile sind letztlich maßgeblich für die Investmententscheidung.

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