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Zunächst einmal: Das ist wirklich kein Scherz. Gouverneur Charlie Crist unterzeichnete den „Protecting Florida´s Investment Act“, nachdem nicht nur seine Republikaner, sondern auch die Demokraten, von denen die Idee stammt, Feuer und Flamme für die Vorlage gewesen sind. Patriotische Politik mit hohem Symbolwert und nationalistischem Einschlag kommt offenbar gut an in den USA. Friedrich Nietzsche und Arthur Schopenhauer wussten schon vor geraumer Zeit, dass das Brüderpaar Nationalismus und Patriotismus nichts weiter ist als die schlechte Ausdünstung solcher Leute, die keine herausragenden Eigenschaften besitzen, auf die sie stolz sein könnten. Aber die Werte des Alten Europa zählen im Moment nicht so sonderlich viel in der Neuen Welt. Wie man nicht erst seit Donald Rumsfeld weiß, der – und daraus darf jeder seine eigenen Schlüsse ziehen, in der US-Politik als Intellektueller galt.

Die Frage nach der Moral im globalen Rennen des Geldmachens zu stellen ist im Grunde keine schlechte Idee. Geld kann sehr wohl stinken. Aber wo verläuft die Grenze zwischen gutem Geruch und den Düften der moralischen Verwesung? Die Auswahl Irans und des Sudans erscheint einigermaßen willkürlich, ist dessen ungeachtet für Florida aber ausgesprochen praktisch: Mit dem Iran dürfen US-Firmen ohnehin keine Geschäfte machen – und im Sudan sind China und Europa, insbesondere Frankreich, am stärksten vertreten…

Widerstand könnte sich dennoch entwickeln. Denn die betroffenen multinationalen Konzerne, Schätzungen gehen von bis zu 500 börsennotierten Unternehmen aus, sind in vielen Regionen der USA wichtige Arbeitgeber. Und so manche Fabrik wurde mit immensen Subventionen hochgezogen. Sie jetzt als Igitt-Firmen bloßzustellen wird die Begeisterung für die Standorte nicht eben schüren. Mit dem den Amerikanern eigenen Sendungsbewusstsein versucht Florida, auch weitere Bundesstaaten zur Verabschiedung eines solchen Gesetzes zu ermuntern. Findet die Idee viele Nachahmer, könnte das sogar kursrelevante Folgen haben, zumal die Achse des Bösen ja um Staaten wie Nordkorea, Syrien, Venezuela oder Kuba erweitert werden könnte: Auf mehr als 400 Mrd. US-$ wird die Summe geschätzt, die bundesstaatliche Pensionsfonds in Aktien angelegt haben.

Stefan Preuß