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Eine der technischen Anforderungen an alle Bieter damals: Das System müsse auch bei Geschwindigkeiten von 200 Kilometern pro Stunde bei gleichzeitigem Spurwechsel funktionieren. Hey: 200 Sachen, das hört sich nicht wirklich nach 38-Tonnen-Brummi an. Von daher entbehren die aktuellen politischen Scharmützel nicht einer gewissen Drolligkeit: Die PKW-Maut kommt so sicher wie die Radarfalle am Ende der Tempo 30-Zone. Das wirkliche Hauen und Stechen beginnt bei der Festsetzung der Beträge: Nach PS, nach Gewicht, nach Größe?

Vertreter von Toll Collect und auch Verkehrswissenschaftler hatten immer betont, daß das aufwendige System mehr kann als „nur“ ein paar Millionen Lastkraftwagen zu kontrollieren. Wobei die derzeit ventilierte Plakette ja nur den Einstieg in die PKW-Maut bedeutet. Die kilometergenaue Abrechnung wäre der zweite Schritt. Dies wiederum eröffnete weitreichende Mehrwerte. Staus ließen sich so in Echtzeit feststellen bzw. schon vor der Entstehung durch Umleitung des nachfolgenden Verkehrs vermeiden, und man hätte ein hochaktuelles Navigationssystem für Jedermann, um nur zwei Varianten zu nennen.

So gesehen ist die Einführung der PKW-Maut alles andere als ein weiterer Dämpfer für das Wirtschaftswachstum. Der erneute Kaufkraftabfluß ist zu verschmerzen angesichts der großen wirtschaftlichen Chancen, die die Technik verspricht. Zumal dem System immer größere Exportchancen eingeräumt werden. Maut mit Kassenhäuschen wird nicht die Zukunft gehören. Und irgendwo muß ja das Geld herkommen zum Bau jener Straßen, auf denen der ADAC freie Fahrt fordert.

Eine Alternative zu Mauteinnahmen wäre nur das Namenssponsoring zur Verkehrsinfrastruktur. Aber ehrlich: Die „Aus Freude am Fahren“-Autobahn hört sich doch sehr gewöhnungsbedürftig an. Und das Autobahnkreuz Benedikt und die Verzweigung „Nichts ist unmöglich“ dürften kaum mehrheitsfähig sein.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.