Der Übertreibung nach oben, die vor etwa einem Jahr begann und im März dieses Jahres den Höhepunkt fand, folgten herbe Rückschläge. Auf den IPO-Markt schlagen diese dann überproportional stark durch, denn es werden zusätzliche Mittel benötigt. Aber in Zeiten hoher Kursrückgänge denkt die Mehrheit der Anleger nicht an den Kauf von Aktien, sondern ganz im Gegenteil. An Neuengagements denken in solchen Marktphasen die wenigsten Anleger.

Viele Börsenkandidaten haben es daher in unsicheren Börsenphasen sehr schwer. Das Emissionsvolumen ist oftmals nicht zu plazieren. Einige Unternehmen verschieben den Börsengang, andere machen beim Pricing Zugeständnisse.

Doch solide Unternehmen sollten sich von solch kurzfristigen Marktschwankungen nicht weiter beirren lassen. Der Emissionserlös wird gerade bei den jungen High Tech Companies zur Finanzierung der weiteren Expansion benötigt. Sehr oft liegen konkrete Pläne oder Vertragsabschlüsse, die kurz nach dem Börsengang medienwirksam veröffentlicht werden sollen, schon in der Schublade. Ein Verschieben des Börsengangs ist dann oftmals gleichzusetzen mit einem Abrücken der weiteren Unternehmensplanung. Die Unternehmen, die trotz aller Unsicherheiten den „Sprung ins kalte Wasser“ wagen, haben zwar nicht das Maximum ausgereizt, doch ein großer Teil der geplanten Aktivitäten kann finanziert werden.

Gerade für Anleger bieten sich in einem vermeintlich schlechten Marktumfeld erstklassige Chancen. Oftmals wird aber auch von „Expertenseite“ die viel zitierte „Einstandsverbilligung“ beschworen. Dies erscheint jedoch grundsätzlich nicht ratsam. Denn wenn eine Aktie sich nicht in die gewünschte Richtung entwickelt, gibt es für den Anleger eigentlich nur zwei sinnvolle Möglichkeiten: Der langfristige Investor möchte den Abwärtstrend einfach „aussitzen“, der eher kurzfristig orientierte Investor beachtet strikt den Stop-Kurs. Wird dieser unterschritten, hat sich das Problem von selbst gelöst, bevor es zu einem großen Problem werden konnte. Wer jedoch nachkauft, hat ein Problem: Er ist sehr häufig zu stark in dieser Position investiert. Tendiert die Aktie dann weiter nach unten, wird der Verlust um so schmerzlicher.

Wesentlich sinnvoller ist es daher, sich nach interessanten neuen Chancen am Markt umzusehen. Mit LINOS, SAP SI und Lamda Physik sind beispielsweise in den vergangenen Wochen interessanten und vielversprechende Unternehmen an den Neuen Markt gegangen. Bei weiter rückläufigen Kursen können langfristige Investoren bei der einen oder anderen Aktie durchaus ein interessantes Schnäppchen machen.

Aber auch jetzt stehen wieder interessante Technologieschmieden in den Startlöchern, um den Sprung aufs aktuell recht glatte Börsenparkett zu schaffen. Hierzu zählen u.a. Group Technologies und Funkwerk. Was kann interessierten Anlegern hier besseres passieren, als ein schwaches Marktumfeld?

Viele Bundesbürger interessieren sich laut Meinungsumfragen für die „Aktie Gelb“. Bei einem schwachen Gesamtmarkt wird man sich gerade bei einer solchen Mammutemission beim Emissionspreis zurückhalten müssen. So kann auch „Gelb“ rasch zu „Geld“ werden.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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