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Werner Finck, der Altmeister des politischen Kabaretts, formulierte einst süffisant: Die Deutschen unter einen Hut zu bekommen sei unmöglich. Dafür passten sie bestens unter einen Helm. Heute ist es halt ein Rennhelm. Dessen Kinnriemen haben die Vorstandschefs der Autoriesen nun ein Loch enger gestellt. Es dürfte das letzte Loch sein, aus dem sie pfeifen.

Der Gedanke, Schadstoffe zu reduzieren, ist ja so neu nicht. Leider haben die PS-Bosse gar nichts dazugelernt. Ob es die Einführung des Katalysators war oder der serienmäßige Einbau eines Dieselpartikel-Filters – stets wurde das mobile Abendland als höchst gefährdet dargestellt. Die Selbstverpflichtung der Automobilindustrie, die auf freiwilliger Basis den Schadstoffausstoß auf eben die jetzt angepeilten Werte reduzieren wollte, wurde grandios gegen die Wand gefahren.

Wer Geländewagen mit mehr als 300 PS baut, damit sie trotz eines Luftwiderstandsbeiwerts ähnlich des Reichstages mit 250 Sachen über die Autobahn fegen können, muss sich wirklich nicht wundern. Besonders entlarvend ist es, wenn zum Beispiel Mercedes eine neue, saubere Dieseltechnologie unter Verwendung von Harnstoff entwickelt, einschlägig ausgerüstete Modelle aber zunächst nach USA exportiert, weil dort schärfere Schadstoffgrenzen gelten, und sie hierzulande nicht anbietet. Was erhoffen sich die Autokonzerne angesichts der Klimaerwärmung: Dass sie in fünf Jahren den Absatz von Cabrios auf Island und in Alaska verdoppeln können?

Die Gretchenfrage für Anleger lautet: Handelt es sich beim Geheule der Drehmoment-Fürsten nur um das übliche Gezeter der üblichen Verdächtigen, die ihre besonders gewinnstarken Luxusschlitten noch eine zeitlang unter das Volk bringen wollen? Oder meinen sie es sogar ernst – was wir nicht hoffen wollen – und haben tatsächlich den Anschluss an Toyota & Co in Sachen Sauberkeit verloren? Wirtschaftsminister Michael Glos tut sich im Übrigen keinen Gefallen, wenn er sich vorschnell als Retter der Arbeitsplätze auf die Seite der Automobilindustrie stellt. Immerhin hat die Union das verminderte Schadstoffziel im Koalitionsvertrag unterschrieben. Folgt er jetzt der Argumentation des Arbeitsplatzabbaus setzt er seine Partei dem Verdacht aus, deren Vertreter hätten dem Ziel im Wissen um die Gefahr für Zehntausende von Arbeitsplätzen zugestimmt.

Nein, Art und Stoßrichtung des Protestes der deutschen Autobauer sind in einer Weise rückwärts gewandt, dass man schon von einer Imageschädigung sprechen muss. Anleger sollten in Zukunft ganz genau schauen, mit welchen Modellen die Unternehmen ihren Gewinn machen und welche Verschiebungen sich ergeben. Auch die Zukunftsfähigkeit der Modellpalette muss stärker denn je in die Investitionsentscheidung einfließen. Es wird verminderte Schadstoffgrenzen geben, einfach weil es sie geben muss. Management by Vollgas ist die denkbar ungeeignete Form, auf diese Herausforderung einzugehen. Merke: Auch wer rast, kann zu spät kommen.

Stefan Preuß