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GoingPublic: In einer GoingPublic-Kolumne der letzten Woche wurde Ihr Unternehmen zusammen mit einigen anderen Neuer Markt-Unternehmen als „heißer Anwärter auf Zahlungsunfähigkeit“ betitelt. Ich denke mal, daß Sie nicht erfreut über diese Bezeichnung waren.

Von Arnim: Genauso ist es. Der Name Micrologica tauchte ja im Sommer in der Wirtschaftspresse in diesem Zusammenhang einmal auf. Damals sicherlich nicht zu Unrecht. Mittlerweile haben aber die Altgesellschafter – unter anderem auch ich – und einige Financiers eine Liquiditätsreserve von 6 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Dadurch entstand der finanzielle Spielraum, um das notwendige Sanierungsprogramm durchzuziehen. 

GoingPublic: Erklären Sie doch mal in Kürze das Business der Micrologica AG.

Von Arnim: Wir sind im Bereich der CTI-Technologie tätig; wir erstellen also die Software, die die Verknüpfung von Computer, Telefon und Internet erlaubt. Unsere Kunden sind klassischerweise Call Center-Betreiber, zunehmend aber auch Großunternehmen, die Hotlines betreiben.

GoingPublic: Der CTI-Markt wächst ja mit mehr als 25 % im Jahr. Wie sind denn in diesem Umfeld die Umsatzeinbrüche bei Micrologica im ersten und zweiten Quartal von bis zu 50 % zu erklären?

Von Arnim: Mein direkter Vorgänger hat ja am 27. März, eine Woche nach einer fulminanten Pressekonferenz, das Handtuch geschmissen, nachdem bei Micrologica ein knappes Jahr lang Mißmanagement betrieben wurde. Nach dem Motto „alles ist möglich“ wollte er alles, was im EDV-Bereich denkbar ist, gleich mitmachen, also z. B. CRM, SAP-Integration, Knowledge-Management usw. und hat dementsprechende Firmen akquiriert, ohne sie zu integrieren. Dabei wurde versäumt, in unserem eigentlichen Geschäft CTI Aufträge an Land zu ziehen. Damit hatte das seit 23 Jahren bestehende Unternehmen sein Profil völlig verloren.

GoingPublic: Was haben Sie in Ihrer mittlerweile siebenmonatigen Amtszeit unternommen, um die Fehler Ihres Vorgängers zu beheben?

Von Arnim: Nun, wir haben Ende Juni die Hosen runtergelassen, und alle unangenehmen Fakten und Prognose-Korrekturen auf den Tisch gebracht. Wunder haben wir keine versprochen, sondern ganz klar gesagt, daß man in einigen Wochen nicht ausbügeln kann, was in mehreren Quartalen zuvor vergeigt wurde. Zugleich haben wir Altgesellschafter mit der Finanzspritze gezeigt, daß wir willens waren, das Steuer noch mal rumzureißen. Operativ haben wir uns vor allem um drei Dinge gekümmert: Erstens um einen systematischen Vertrieb im Kerngeschäft, zweitens haben wir einen massiven Kostenabbau betrieben und drittens defizitäre Töchter entweder geschlossen oder saniert und verkauft. Konkret heißt das zum Beispiel: Wir mußten den hohen Forderungsbestand eintreiben, wir haben den aufgeblähten Personalbestand heruntergefahren und Aufträge von namhaften Untenehmen wie der Investitionsbank Berlin, der Iduna Bausparkasse, Qiagen und Heyde erhalten.

GoingPublic: Wieviel der bereitgestellten 6 Mio. Euro sind denn bisher abgerufen worden und unter welchen Bedingungen wurde dieser Kredit eingeräumt?

Von Arnim: Etwa die erste Hälfte ist im dritten Quartal geflossen, die andere Hälfte folgt im vierten Quartal. Es handelt sich dabei um Gesellschafterdarlehen mit normaler, klassischer Verzinsung.

GoingPublic: Ich hoffe, Sie verstehen, daß wir die Micrologica AG in der Vergangenheit sehr kritisch unter die Lupe genommen haben. Schließlich stehen wir gegenüber unseren Lesern in der Pflicht, auf potentielle Risiken hinzuweisen.

Von Arnim: Ich will ja gar nicht, daß Sie jetzt vor Freude in die Hände klatschen. Ich bin schon zufrieden, wenn wir in der Wirtschaftspresse eine positiv anerkennende, aber abwartende Haltung erzeugen können. Mir ist klar, daß man verspieltes Vertrauen nicht sofort wieder zurückgewinnen kann. Aber ich hoffe, daß uns dies mit den Neun-Monatszahlen, die wir ja am morgigen Dienstag veröffentlichen werden, wieder etwas gelingen wird.

GoingPublic: Das wünsche auch ich Ihnen und bedanke mich für das offene Gespräch.

Ein erneutes Gespräch mit Herrn von Arnim über die Neun-Monatszahlen lesen Sie an gleicher Stelle am Mittwoch, den 15. November.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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