Die in Amsterdam ansässige Ahrend-Gruppe hält über eine Vorschaltgesellschaft 82,9 % an der Mauser AG, einem renommierten Hersteller für Büromöbel, dessen Name vielen aufgrund seiner früheren Tätigkeit als Waffenhersteller ein Begriff ist. An deren wichtigster Tochter Mauser Office hat Ahrend im September 2001 eine Mehrheitsbeteiligung erworben. Mauser selbst fungiert nur noch als Holding ohne operatives Geschäft und kann, wie die Verwaltung berichtet, aufgrund der schwachen Ertragslage ihrer Beteiligungen die eigenen Kosten nicht decken. Trotzdem war eben diese Ertragslage für Ahrend interessant genug, um Aktienmehrheit und operative Gewalt bei Mauser zu übernehmen.

Man darf annehmen, daß die angeführte schwache Ertragslage der Mauser-Töchter kombiniert mit der aktuellen Depression (Verzeihung, Herr Bundeskanzler, ich meinte natürlich: „Wachstumsdelle“), in einem Wertgutachten keine positiven Überraschungen beschert und auch der Kreis der Kaufinteressenten überschaubar bleiben wird. Statt mit Fortführungswerten werden die außenstehenden Mauser-Aktionäre mit den Zerschlagungswerten in der Krise abgefunden. Und dann wären da noch 7,4 Mio. Euro an Krediten zu Gunsten der Mauser Office zu tilgen, bevor ein Nettoerlös zur Verteilung kommt.

Beim (an sich schon unfreundlichen) Squeeze-out-Verfahren erhalten die zwangsabgefundenen Kleinaktionäre ihr Geld sofort – zumindest das, was der Großaktionär ihnen freiwillig zubilligt. Der Nachschlag bis zum möglicherweise gerichtlich zu erklagenden „angemessenen Wert“ kann dagegen einige Jahre Geduld verlangen. Bei der Liquidation hingegen sind die Aktionäre noch mindestens ein Jahr lang gefangen und müssen hoffen, daß der Großaktionär sich nicht zwecks „konzerninternen Cash-Poolings“ den Bargeldbestand ausleiht und unterdessen in die Insolvenz fällt. Bei Liquidationen gibt es kein Spruchstellenverfahren.

Doch damit die Kleinaktionäre, die zusammen rund 17 % des Kapitals halten, auch wirklich merken, was die Stunde geschlagen hat, soll die Börsenzulassung zum Amtlichen Handel noch vor Abschluß der Liquidation aufgehoben werden – wegen der hohen Kosten. Seit Juni 2002 stürzte der Kurs bereits von 58 auf 12 Euro ab.

Ein freiwilliges Kaufangebot mit Nachbesserungsklausel gefolgt von einem Squeeze-out-Verfahren mit nachprüfbarer Abfindung wäre nicht zuviel verlangt, liebe Ahrend-Gruppe! Wir werden Büromöbel künftig woanders kaufen.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Beitrag? Dann nutzen Sie das askGoingPublic-Board: Stellen Sie GoingPublic Ihre Fragen oder diskutieren Sie die Fragen anderer User!

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

Print Friendly, PDF & Email

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.