Haben Sie schon einmal versucht, mit dem Kauf von Aktien Geld zu verdienen? Sie werden es sicherlich getan und festgestellt haben, daß es weit schwerer ist, als die meiste Börsenliteratur einem suggeriert. Noch dazu in einer Abschwungphase wie der jetzigen. Bei allseits fallenden Kursen entpuppt sich die Suche nach der ertragbringenden Aktie wie die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Das funktioniert mit Glück, in vielen Fällen aber eben nicht. Allerdings nur, solange man nach der quasi „passiven“ Methode vorgeht: kaufen, halten, hoffen.

Es gibt allerdings noch einen anderen Weg, den „aktiven“ sozusagen. Eine Variante davon gehört nicht zum allgemeinen Usus an der Börse – bis letzten Freitag jedenfalls. Es ist bis jetzt unklar, wer oder was der Täter ist, ob frustrierter Kleinanleger oder einfach ein Krimineller mit Börsenexpertise. Nichtsdestotrotz ist der Plan, der (möglicherweise) ausgeheckt worden war, aufgegangen.

Per eMail wurde ein Übernahmeangebot an die Aktionäre der Gold-Zack AG formuliert, als Absender die Deproma Sechsundzwanzigste Vermögensverwaltung AG genannt. Drei Euro je Aktie sollte der Kaufpreis sein. Über die Nachrichtenagenturen wurde die eMail verbreitet. Trotz eingehender Prüfung war die Fälschung nicht erkannt worden. Am Markt indes sorgte die Nachricht für helle Aufregung. 3 Euro, das wäre ein satter Aufschlag auf den aktuellen Kurs gewesen, der in den letzten Tagen unterhalb der 1 Euro-Marke notierte. Die Folge: Innerhalb der ersten zwei Handelsstunden schoß der Kurs nach oben und legte bei großen Umsätzen in der Spitze knapp 90 % zu – bis Zweifel an der Authentizität der Quelle aufkamen. Die Nachrichtenagenturen schlugen Alarm, und der Kurs sackte auf sein altes Niveau zurück. Es stellte sich schließlich heraus, daß es zwar die Deproma AG gibt, die allerdings rein gar nichts mit Gold-Zack am Hut hat, auch nicht die ebenfalls angegebene Muttergesellschaft IPC Holdings. Die Internetadresse für angebliche Details zur Übernahme war ein toter Link.

Die Geschäftsführung von Deproma hat Anzeige erstattet. Die angeschlagene Gold-Zack AG sieht im Manipulationsversuch großen Imageschaden. Das BaWe prüft, weil kursrelevante Meldungen – so sie denn echt sind – auf deren Internetseite veröffentlicht werden müssen, was in diesem Fall natürlich nicht geschah. Es ist viel Staub aufgewirbelt worden durch die fingierte Übernahmeofferte. Der Staub wird sich legen, doch es bleiben Fragen. Wie kann es für Falschmeldungen so einfach sein, die meisten Kontrollen zu passieren? Reicht eine gut gemachte eMail, um den Kurs von sowieso schon in Bedrängnis geratenen Unternehmen zum Spielball der Spekulanten zu machen? Das BaWe ermittelt. Kursmanipulation liegt nahe. Auch die Staatsanwaltschaft dürfte sich demnächst des Falles annehmen.

Eines ist jedoch klar. Die Kontrollmechanismen haben versagt, das schadet der Glaubwürdigkeit wie auch der Seriosität des gesamten Finanzmarkes Deutschland. Die neue Bundesanstalt für Finanzmarktaufsicht (BAFin), in die das BaWe unlängst eingegliedert wurde, tut gut daran, den Fall schnell und gründlich aufzuklären. Sie ist es ihrer Reputation schuldig, dem Finanzmarkt und nicht zuletzt den Aktionären.

Die GoingPublic erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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