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Das in Foster City (Kalifornien) ansässige Unternehmen Inktomi ist einer der führenden Anbieter von Software-Anwendungen, die die Performance und Effizienz groß angelegter Netzwerksysteme verbessern sollen. Inktomis Netzwerkanwendungen bieten eine komplette Infrastruktur für den Vertrieb, die Lieferung und das Management von Content und Anwendungen. Die Portaldienste bestehen aus den üblichen Services zum Thema Suchen, Shopping, usw. und sind im entsprechenden Portal der Unternehmenspartner abrufbar. Dabei arbeitet das Unternehmen mit einigen der größten Internet- und Medienunternehmen der Welt zusammen, z.B. AOL, British Telecom, CNET, Excite@Home, Intel, Microsoft, Sun Microsystems, RealNetworks und natürlich auch Yahoo!.

Letztere gaben am Montag bekannt, daß die generellen Suchabfragen demnächst mit der Software der noch nicht börsennotierten Firma Google betrieben werden anstelle mit der von Inktomi. Im Unternehmens-Informations-Portal (Corporate Yahoo!) bleibt Inktomi auch weiterhin der Lieferant. Außer acht lassend, daß Yahoo! lediglich für 10 % an Inktomis Gesamtgeschäft für Suchabfragen und sogar nur 2 % des Umsatzes ausmacht, wurden daraufhin 3 Mrd. US-$ an Marktkapitalisierung vernichtet. Statt 15,5 ist Inktomi jetzt nur noch 12,5 Mrd. US-$ wert. Zwar haben die Kalifornier nicht ihren wichtigsten Kunden, so doch aber einen ihrer namhaftesten verloren.

Doch ist diese Situation für Inktomi keineswegs neu: Vor 18 Monaten verlor man Microsoft an AltaVista. Nur kurzfristig, wie sich schnell herausstellte. Nach einem Jahr kehrte Microsoft reumütig zurück –  unschlagbare Zuverlässigkeit und Anwendungsfreundlichkeit waren schließlich doch die ausschlaggebenden Gründe für die Rückkehr. Auch damals fiel der Inktomi-Kurs über einen Zeitraum von wenigen Tagen fast 30 %. Diejenigen, die das Gesamtbild im Blickfeld behielten, konnten sich über einen Blue-Chip zum zeitlich begrenzten Discount-Preis freuen. Denn schon kurz darauf setzte die Aktie ihren Aufwärtstrend unbeirrt fort und liegt auch jetzt wieder im laufenden Jahr immer noch mit einem Gewinn von 31 % auf den Spitzenplätzen.

Die Situation jetzt ähnelt der im letzten Jahr sehr stark. Sehr wahrscheinlich ist, daß Yahoo! irgendeine Form von weitergehender Beziehung mit dem Start-up Google eingegangen ist und der Firma auf diese Art und Weise Kredit- und Glaubwürdigkeit einhauchen möchte. Da weder Google noch die ebenfalls sehr gut aus den Starlöchern geschossene, in Norwegen ansässige FAST Search and Transfer schnell genug wachsen können, um in diesem Markt dauerhaft zu überleben, ist eine Übernahme durch einen oder mehrere der Portal-Partner vorprogrammiert. Daher steht zu erwarten, daß Yahoo! nach dem baldigen IPO von Google – finanzielle Interessen standen bei dieser Patenschaft wohl eindeutig im Vordergrund – wieder auf Inktomi setzen wird.

Inktomi wird diese kurzzeitige Rückstufung allemal gut verkraften können. Zumal sich das Unternehmen weg von den margenschwachen Suchdiensten hin zur Caching Server-Technologie weiterentwickelt hat. Dort nämlich liegen dauerhafte Wachstumsraten weit jenseits der 100 % verborgen. In den letzten sechs Monaten konnte Inktomi in diesem Bereich den Umsatz um 268 % auf 52,9 Mio. US-$ im Vergleich zum Vorjahr steigern, bei der Suchtechnologie „nur“ um 161 % auf 30,5 Mio. US-$. Diese Anteile werden sich nach Angaben vom CEO David Peterschmidt weiter zu Gunsten der Infrastruktur verschieben.

Er rechnet sogar damit, daß das neue Corporate Yahoo! für weitere Umsatzsteigerungen im vierten Quartal sorgen wird – also auch ohne die Exklusivrechte als Yahoos Suchdienst. Was man darüber hinaus erwarten darf, sind weitere, wohlüberlegte Akquisitionen im bisherigen Stil. Anfang Juni wurde die Übernahme von Ultraseek für 340 Mio. US-$ bekannt gegeben. Bis zum Jahresende könne man mit einer oder zwei größeren Deals rechnen, um den Netzwerksektor oder den Bereich der drahtlosen Technologie noch weiter zu verstärken.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.