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Nun gut. So ein selbstbewußter Fondsmanager mit einigen Milliarden im Rücken ist kein angenehmer Zeitgenosse, wenn er einen Vorstandsvorsitzenden auf dem Kieker hat. Das wird Ex-Börsenchef Werner Seifert bestätigen können. Andererseits: Würde sich nicht mancher Kleinaktionär freuen, wenn möglichst viele dieser während viel zu vieler Hauptversammlungen viel zu aufgesetzt lächelnden Vorstandsherren auf Normalmaß zurechtgestutzt würden?

Hauptversammlungen in diesem unserem Lande sind ganz überwiegend noch immer hinreichend rituelle Handlungen, bei denen der Kleinaktionär als solcher ab und an schimpfen darf, am Ende aber doch die große Deutschland AG für 98 Prozent Zustimmung zu jedweden Beschlüssen sorgt. Man kennt sich, im besten Fall von mehreren Aufsichtsratsmandaten, am besten bei Banken, und dann gehen die Dinge dank der wirklich stimmgewaltigen Aktienpakete schon klar. Oder die ehemaligen Chefs der Banken, in diesem Fall Rolf Breuer von der Deutschen Bank, werden gleich zu Aufsichtsratschefs berufen.
Die Handlungen namentlich angelsächsischer Hedgefonds bei der Deutschen Börse sind kein willkürlicher Akt der Machtausübung, sondern eine Form der Vorstandskontrolle, wie man sie sich für den Standort Deutschland nur wünschen kann. Hoffentlich folgen viele weitere Hedge- und Pensionsfonds diesem Beispiel. Wenn jetzt von politischer Seite gefordert wird, die Stimmkraft von Hedgefonds zu limitieren, zeigt das nur die Ferne der politischen Klasse von den ökonomischen Realitäten.

Das schließt nicht aus, daß gewisse Verhaltensregeln aufgestellt werden, etwa Transparenz über die Gründe bei Abstimmungen. Doch letztlich führt das zu kaum mehr als überflüssiger Juristen-Prosa. Und welchen Sinn soll ein Gesetz nur für Deutschland machen? Gibt es eine globalere Ware als Finanzprodukte?

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.