Da konnte noch von jeder Aktie eine exorbitante Kurssteigerung erwartet werden, auch wenn das Unternehmen nur Drehmomentschlüssel oder Autositzheizungen fertigte – und wer bei einer der begehrten Neuemissionen eine Zuteilung erhielt, der war ohnehin fein raus, denn mehrere 100 % Steigerung vom Emissionspreis weg, waren durchaus keine Seltenheit. Noch im Jahr 1998 lag der durchschnittliche Zeichnungsgewinn bei 70 %.

Heute sieht es schon viel magerer aus. Die hochgesteckten Prognosen können von den Börsenneulingen immer öfter nicht eingehalten werden. Gewinn- und Umsatzziele werden nach unten korrigiert – und der Kurs rattert in den Keller. Auch die Neuemissionen sind nicht mehr das, was sie mal waren. Längst nicht jeder neue Börsenkandidat wird ein Highflyer.

Als im September die Situation an den Finanzmärkten immer kritischer wurde, zogen mehr und mehr Unternehmen die Notbremse und verschoben den Börsengang. Ruinös für viele Investoren waren aber diejenigen Werte, die trotz geringer Nachfrage an den Markt kamen und gleich zu Handelsbeginn ihre Talfahrt begannen. Der durchschnittliche Zeichnungsgewinn sank so in den ersten neun Monaten diesen Jahres auf 45 %.

Was aber Investoren mit teils herben Verlusten bezahlen mußten, waren die Ausprägungen einer neuen Tendenz. – Dem Trend nämlich, weg vom blinden Zeichnen, hin zu stärkerer Selektion, zu einer größeren Sensibilität für die Qualität der Neuer Markt-Werte. Auf Qualität zu achten, ist nun wahrlich nichts Neues. Allein die Frage stellt sich: Wie ist die gesuchte Qualität definiert?

Auf einer Fachtagung, die kürzlich stattfand, wurde unter anderem diese Frage geklärt. Als wichtigstes Kriterium für die Güte eines Wertes wurde die Stellung des Unternehmens im Markt genannt. Markt- wie auch Technologieführer sind klar zu bevorzugen. Weiterhin ist auch die – teilweise sogar von jedem nachprüfbare – Qualität der Produkte und des Service von entscheidender Bedeutung. Ein ebenfalls ausschlaggebender „soft-fact“ für die Beurteilung eines Unternehmens ist die Qualität des Managements. Nur wer aggressiv und vorausschauend am Markt agiert und sich dabei auf seine Kernkompetenzen konzentriert wird langfristig erfolgreich sein können.

Wer auch zukünftig sein Geld erfolgreich in Neuemissionen anlegen möchte, sollte außerdem überprüfen, ob das betreffende Unternehmen den Mindestanforderungen entspricht, die eine längerfristig gute Performance an der Börse überhaupt erst ermöglichen. Besonders ernst sollte die Einhaltung einer Mindestvorbereitungszeit auf den Börsengang genommen werden. IPO-Quick-Ratios zeugen von einer geringen Weitsichtigkeit des Vorstandes. Ebenso scheint eine transparente Unternehmensstruktur und ein schnelles, flexibles Informationssystem von einiger Wichtigkeit zu sein.

Gefährlich sind auch Engagements in Unternehmen, die zu früh an die Börse kommen und deren Chance-Risiko-Profil nicht klar ersichtlich ist.

Bei aktuell etwa 190 Werten am Neuen Markt ist Selektion wichtiger denn je. Neben der Vielzahl an Bewertungsmethoden, können die angeführten Kriterien dabei helfen, wenigstens die gröbste Spreu vom Weizen zu trennen – damit Sie auch im neuen Millennium noch kraftvoll zukaufen können.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa/AFX.

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