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Lag der Emissionspreis des Hamburger Unternehmens noch bei 44 Euro, so wurden gestern, gut zwei Monate nach der Emission, rund 55 Euro pro Anteilschein gezahlt. Wie gut sieht es für die Hamburger in der Zukunft aus? Das ist die Frage, die wir heute stellen möchten.

Wie kommt Gauss im Ausland an? Das wird die entscheidende Frage in den nächsten Jahren sein, die über den Börsenerfolg des Unternehmens maßgeblich entscheiden wird. Hat man in Deutschland die Konkurrenz im Markt für Internet- und Intranet-Management-Systeme bereits weit hinter sich gelassen, so muß Gauss international gegen Player wie Interwoven (IWOV) und Vignette (VIGN) ankämpfen. Im amerikanischen Markt ist Gauss bisher noch keine Größe und dort wird man es schwer haben, gegen etablierte Firmen anzukämpfen.

Im November meldete Gauss einen 9-Monats Umsatz von 13 Mio. DM, Interwoven setzte umgerechnet rund 18 Mio. DM um und Vignette erzielte Erlöse in Höhe von über 90 Mio. DM. Die jeweiligen Steigerungsraten gegenüber dem Vorjahr betragen 100 % bei Gauss, 340 % bei Interwoven und sage und schreibe 410 % im Falle des Marktführers Vignette. Ein deutlicher Bewertungsabschlag von Gauss gegenüber der Konkurrenz erscheint deshalb derzeit also angebracht.

Wie aber ist die Konkurrenz bewertet? Vignette erscheint auf dem derzeitigen Niveau hoffnungslos überteuert. Nach dem Run-Up seit September scheint die Aktie bei einer Korrektur im Technologiesektor sehr anfällig. Bei einer Marktkapitalisierung von 21 Mrd. DM ergibt sich ein dreistelliges Kurs/Umsatz-Verhältnis (KUV) für das Jahr 1999. Immerhin auf rund 5.4 Mrd. DM Marktkapitalisierung bringt es Interwoven, wodurch sich auch hier ein KUV jenseits der 100er-Marke errechnet. Gauss wird derzeit mit 820 Mio. DM bewertet und weist auf Basis der 1999er-Schätzungen ein KUV von „nur“ 36 auf.

Durch die relativ geringe Bewertung von Gauss könnte sich nach einer von uns erwarteten Korrektur im Technologie-Sektor eine günstige Einstiegschancen ergeben. Wenn die internationale Expansionsstrategie von Gauss aufgeht, dann könnte das Unternehmen auch schnell die Bewertungslücke zu den Amerikanern verkleinern.

Die Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.