Nur drei Wochen hat der Krieg in der Hauptsache gedauert. „Nur“, natürlich, jeder Tag war zu viel, aber trotzdem, er hätte auch länger dauern können. Zermürbend und noch unmenschlicher. So gesehen kann man mit dem Ergebnis zufrieden sein. Auch wenn die politische Herausforderung für das Nachkriegs-Irak kaum geringer ausfallen dürfte als der gewaltvolle Regimewechsel selbst.

Sehen Sie, das ist es, was der Krieg in der deutschen wie internationalen Medienwelt angerichtet hat. Selbst in einer Kolumne, die sich eigentlich mit dem Thema Wirtschaft im Allgemeinen und Börse im Besonderen beschäftigen sollte, ist eine Stellungnahme zum Krieg zu lesen. Das Thema Irak hat alles dominiert. Spezialsendung über Spezialsendung im Fernsehen, Sonderberichte und Analysen in den Tageszeitungen. Der Krieg war omnipräsent. Und jetzt?

Immerhin, die viel zitierte Unsicherheit des Krieges, die angeblich so viele Unternehmen gelähmt hat, ist nun weg. Die Börsen jubeln schon seit geraumer Zeit. Steigende Indices, Aktien rauf, Gold-, Öl- und Euro-Notierungen runter, mehr oder minder jedenfalls. Ganz so, wie es sein sollte. Und trotzdem, ein neuer Aufschwung ist alles andere als sicher.

In den USA steht die Ertragssaison der Unternehmen an und so mischen sich in die Euphorie steigender Kurse schon wieder die warnenden Stimmen: „ Wenn wir wieder in der Realität ankommen, kehren auch die Unternehmen und ihre Ergebnisse ins Bewußtsein zurück“, wird ein Aktienexperte zitiert. Daß während der Ertragssaison viele Unternehmen positiv überraschen, glauben dabei wohl nicht einmal mehr Optimisten. Nach der Rezession ist vor der Rezession, sozusagen. Der Arbeitsmarkt bleibt weiter problematisch, genauso wie die Sparquote, dafür steigen die Verbraucherkredite aber weiter an.

Und im alten Teil der Welt? Deutschland starrt gespannt auf die Arbeitslosenzahlen und schließt Wetten ab, wann die 5 Mio.-Marke geknackt wird. Entspannung? Fehlanzeige. Die Arbeitslosenzahlen sind ein nachlaufender Indikator. Was jetzt zu sehen ist, sind die Auswirkungen des letzten Jahres. Die diesjährige Talfahrt wird deswegen erst in einigen Monaten sichtbar werden. Die EU-Kommission erwartet fast im Einklang mit vielen Wirtschaftsforschungsinstituten für Deutschland ein diesjähriges Wachstum von lausigen 0,4 %. 2004 sollen es dann wenigstens 1,9 % sein, aber wer weiß schon, wo wir nächstes Jahr stehen? Um die Arbeitslosenquote zu reduzieren, reicht das lange noch nicht.

Diesseits wie jenseits des Atlantiks gilt deshalb: Der Ausblick bleibt unkomfortabel. Darüber können auch ein paar Freudensalti der Börse nicht hinwegtäuschen.

Die GoingPublic Kolumne erscheint zweimal wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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