Werbung

Es werden die üblichen Totschlagargumente von den üblichen Verdächtigen vorgebracht: Der Finanzstandort Deutschland müsse wettbewerbsfähig bleiben, es drohe Kapitalabfluss, und überhaupt: Die gesetzlichen Rechte der Mieter blieben schließlich ungeachtet der Eigentumsverhältnisse bestehen, Verwerfungen auf dem Wohnungsmarkt seien nicht zu befürchten. Dem entgegen steht die Angst der Mieter, die Renditeziele der Fonds, die nicht eben in Generationen denken, seien nur mit steten Mieterhöhungen, Edelsanierungen und so fort zu realisieren. Wenn mit herkömmlicher Vermietung nach alter Baugenossenschafts-Sitte nicht hinreichend hohe Rendite erwirtschaftet wird, mit welchen Sitten dann?

Die Überlegungen für das gewissermaßen ur-amerikanische Produkt REIT kommen für die Bundesrepublik zudem zur Unzeit. Viele Menschen sind verunsichert und haben Zukunftsängste – und das sind nicht die Immobilienbesitzer an der Schlossallee. Angst um den Job, Angst um die Ausbildung der Kinder, da würde verstärkte Angst um die bezahlbare Wohnung nur für noch mehr Konsumzurückhaltung sorgen.

Doch die Argumente, Wohnimmobilien aus dem Spekulationskreislauf herauszuhalten, gehen noch tiefer: Die Wohnung ist ganz unzweifelhaft kein Gut wie jedes andere, sondern im Gegensatz zu Autos, Schweinehälften oder Put-Optionen von exzeptioneller Bedeutung für jeden Menschen. Wenn auch vor anderem Hintergrund und in gänzlich anderem Zusammenhang haben das bereits auch die Väter des Grundgesetzes so gesehen, weswegen die Unverletzlichkeit der Wohnung Verfassungsrang besitzt. Und zwar nicht unter ferner liefen, sondern in Artikel 13.

Es herrscht in Deutschland keinerlei Mangel an Anlege- und Spekulationsmöglichkeiten. Bisweilen hat man sogar den Eindruck, die Investmentbranche sollte bei der Kreation neuer Produkte etwas mehr Zurückhaltung üben. Am Ende droht sie sonst bei den vielen Wetten auf diese oder jene Zukunft noch ins Visier derer zu geraten, die gerade das staatliche Wettmonopol verteidigen. Der Finanzplatz Deutschland wird keinen Schaden nehmen, wenn Wohnimmobilien nicht in Form von steuerbegünstigten REITs betrieben werden können. Auch so sind der Imponderabilien für Mieter durch den Verkauf ganzer Wohnungsbaugesellschaften an Finanzinvestoren genug.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne ist ein Service des GoingPublic Magazins, Deutschlands großem Kapitalmarktmagazin. Bezogen werden kann das Magazin unter www.goingpublic.de. GoingPublic ist allein für die Inhalte der Kolumne verantwortlich. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar. Die Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.