Werbung

Über die blau-weiße Herrlichkeit hat sich ein Grauschleier gelegt. Der Elitelandstrich ist andere Überschriften gewohnt als Putsch in der Staatskanzlei oder Korruption beim Vorzeigekonzern. Nicht mal mehr eine richtig große Großbank mit Sitz in München haben sie mehr, nachdem sie den Italienern anheim gefallen ist. Und nun droht auch noch die Schussfahrt in die bundespolitische Bedeutungslosigkeit. Günther Beckstein und Erwin Huber sollen das Land und die Partei führen. Wenn wir tatsächlich einen Sparkassen-Vorstand als Bundespräsidenten haben, dann kommt nun die Ebene der Abteilungsdirektoren zu Ehren.

Dass die Sozialdemokraten von der opulenten Aufführung des königlich-bayrischen Sittengemäldes nicht im geringsten profitieren kann liegt daran, dass die Christsozialen im Grunde die besseren Sozis sind: Nah an Volk und Stammtisch und mit einer Begrifflichkeit versehen, die noch nicht vollends der Vergötterung der Worthülse anheim gefallen ist. Von den jeweils regierenden in Bonn und jetzt Berlin mögen die Einwürfe aus München oftmals als Last empfunden worden sein, dass sie in Summe hilfreich waren lässt sich nicht ernsthaft bestreiten.

Der aktuelle Verlust bayrischen Einflusses in der Bundespolitik, die Formkrise, sorgt für hämische Kommentare des politischen Gegners und hinter vorgehaltenem Fächer auch bei der Schwesterpartei. So ist das Geschäft, wer austeilt, muss auch einstecken können. Die bayrische Gesamtbilanz der vergangenen Jahre stimmt allerdings. Die geringe Arbeitslosigkeit, das im Bundesvergleich ausgesprochen effiziente Bildungssystem und der einzige ausgeglichene Landeshaushalt der Bundesrepublik verdienen Anerkennung. Weniger bayrischer Einfluss in Berlin ist so gesehen keine besonders gute Nachricht.

Man kann Edmund Stoiber dabei noch nicht einmal vorwerfen, keinen Nachfolger von Gewicht aufgebaut zu haben. Seine Planungen waren ja andere. So bleibt nur zu wünschen, dass die CSU ihre Führungskrise schnell überwindet. Denn egal, wie man zu dieser Partei steht: Ihre Stimme und ihr Einfluss in Berlin sind wichtig – für die gesamte Republik.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne ist ein Service des GoingPublic Magazins, Deutschlands großem Kapitalmarktmagazin. Bezogen werden kann das Magazin unter www.goingpublic.de. GoingPublic ist allein für die Inhalte der Kolumne verantwortlich. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar. Die Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.