Ursula Querette, Geschäftsführerin, und Michael Knecht, Senior Berater, Haubrok Investor Relations GmbH & Co. KG

 

Von Ursula Querette, Geschäftsführerin, und Michael Knecht, Senior Berater, Haubrok Investor Relations GmbH & Co. KG

Der Markt für Mittelstandsanleihen unterteilt sich grundsätzlich in die Emissionen börsennotierter und nicht börsennotierter Gesellschaften. Diese Zweiteilung spiegelt sich in weiten Teilen leider auch bei der Kommunikation mit den Anleiheinvestoren wider. So müssen sich die Anleger bei nicht börsennotierten Emittenten im Schnitt auf eine Wartezeit von deutlich mehr als fünf Monaten einstellen, bevor sie Informationen über das abgelaufene Geschäftsjahr erhalten. Die frühzeitige Veröffentlichung von (vorläufigen) Zahlen steht nur bei ganz wenigen Emittenten offiziell auf der Agenda. Und auch unterjährig sind regelmäßige und zeitnahe Informationen zum Geschäftsverlauf mehr die Ausnahme als die Regel.

Warum die geringe Bereitschaft zur Kapitalmarktkommunikation?

Zunächst einmal fehlt es den immer noch jungen Mittelstandsanleihesegmenten der verschiedenen Börsen an ausreichenden Erfahrungswerten. Auch sind die internen Strukturen und Denkweisen vormals nicht börsennotierter Emittenten häufig noch nicht auf die Transparenzregeln der Börse ausgerichtet. Viele von ihnen haben ja auch öffentlich verkündet, dass sie froh sind, den „Fesseln“ der kreditgebenden Banken entkommen zu sein. Warum sich also sofort in neue Abhängigkeiten – mit den Investoren – begeben? Zumal die benötigten Finanzmittel ja zumindest teilweise erfolgreich eingeworben wurden.

Gleichzeitig muss man gerechterweise zugeben: Anleihe ist nicht gleich Aktie. Dem Aktieninvestor ist primär daran gelegen, dass das Unternehmen wächst und damit auch der Kursgewinn im Depot. Dem Anleiheinvestor kommt es an erster Stelle darauf an, dass er seine regelmäßigen Zinszahlungen erhält sowie eine Rückzahlung zu 100% am Ende der Laufzeit. Für ihn ist im Prinzip nur wichtig, dass das Unternehmen regelmäßige, zumindest gleichbleibende Cashflows erwirtschaftet. Und solange ihm dies transparent vermittelt wird, bleibt er tendenziell langfristig investiert.

Wie ist dieses Vertrauensverhältnis aufzubauen?

Hier kann man sich zuerst an den Transparenz-Folgepflichten der Mittelstandsbörsen orientieren. Mindestanforderungen im Entry Standard für Anleihen sind beispielsweise: die Veröffentlichung eines Jahresberichtes innerhalb von sechs Monaten, Veröffentlichung eines Halbjahresberichts innerhalb von drei Monaten, unverzügliche Veröffentlichung wichtiger Unternehmensnachrichten („Quasi Ad hocs“), ggf. Veröffentlichung eines jährlichen Folgeratings, Veröffentlichung eines Unternehmenskalenders und die regelmäßige Publikation bondspezifischer Finanzkennzahlen, die wichtig für die Pflege interner Ratingmodelle von Assetmanagern sind und Privatanlegern eine bessere Einschätzung über die Zins- und Tilgungsfähigkeit des Emittenten ermöglichen sollen.

Quelle: Haubrok Investor Relations GmbH & Co. KG

 

Darüber hinaus wäre es wünschenswert, dass die Veröffentlichung des Jahresabschlusses fristgerechter, d.h. näher zum Bilanzstichtag, erfüllt würde (der Prime Standard für Aktien sieht beispielsweise vier Monate vor, der Corporate Governance Kodex sogar 90 Tage). Ebenfalls wären zusätzliche quartalsweise Finanzinformationen und regelmäßige Informationen aus der operativen Geschäftsentwicklung für die Vertrauensbildung mit den Investoren förderlich. Jeweils aktualisierte Daten auf der Investor-Relations-Webseite und ein spezieller Ansprechpartner (Anleger-Hotline) werden darüber hinaus von den privaten wie institutionellen Investoren als selbstverständlich vorausgesetzt. Werden diese Pflicht- und Kür-Bedingungen (s. Tab. 1) angemessen erfüllt, schafft sich der Emittent einen wichtigen Vertrauensvorschuss, der es ihm zumindest leichter machen wird, den Kapitalmarkt sowohl mit zusätzlichen Volumina (Aufstockung der Anleihe) als auch langfristig, d.h. über die Laufzeit der ersten Anleihe hinaus, zu nutzen.

Quelle: Haubrok Investor Relations GmbH & Co. KG

 

Ein weiteres Argument für die notwendige proaktive Kommunikation mit dem Finanzmarkt ist der inzwischen erreichte Reifegrad der Mittelstandssegmente. Mit ca. 60 Emissionen seit September 2010, die ein Gesamtemissionsvolumen von fast 3 Mrd. EUR ausmachen (s. Abb. 1), wird es immer wichtiger für den einzelnen Emittenten, sich abzuheben. Warum soll der Anleger gerade in diese Anleihe investieren? Eine gut formulierte Bond Story, die die wesentlichen USPs des Unternehmens herausstellt, und eine regelmäßig aktualisierte Kapitalmarkt-Kommunikationsstrategie werden daher immer wichtiger.

Was passiert, wenn das Vertrauen enttäuscht wird?

Obwohl vermutlich nicht so schnell spürbar wie bei einer Aktie, kann eine nicht ernst gemeinte Kommunikation zu Kursverlusten in der Anleihe führen. Dies mag dem Emittenten auf den ersten Blick nichts weiter anhaben. Er wird es aber in Zukunft wahrscheinlich schwerer haben, die Anleger erneut für ein Investment zu begeistern.

Darüber hinaus färbt eine solche Einstellung im Zweifel auch auf das Segment als Ganzes ab. Journalistenmeinungen, die die Seriosität der Mittelstandsanleihen grundsätzlich anzweifeln, gibt es bereits genügend. Da wäre es für diese noch junge Finanzierungsform natürlich fatal, wenn sie durch Fehlverhalten und Nachlässigkeit einiger Unternehmen beschädigt würde.

Fazit

Es mag sein, dass bei einem mittelständischen Familienunternehmen, das bislang nur dem engsten Familienkreis, der Hausbank und den Mitarbeitern zur Information verpflichtet war, die Strukturen für ein zeitgerechtes Reporting und eine professionelle Investor-Relations-Arbeit fehlen. Dennoch haben auch Anleiheinvestoren Anspruch auf ein vernünftiges Maß an Transparenz und eine zuverlässige, zeitnahe Unternehmenskommunikation. Vor allem aber profitieren die Anleiheemittenten selbst von einer guten Kommunikation und damit einem nachhaltigen Zugang zum Kapitalmarkt. Die Anforderungen an Fixed Income Investor Relations bei Mittelstandsanleihen sind bei weitem geringer als bei einer Aktiennotierung oder institutionellen Corporate Bonds. Daher lässt sich die genannte Pflicht- und Kür-Transparenz zu einem vernünftigen Preis-Leistungsverhältnis – beispielsweise mit Hilfe einer professionellen Investor-Relations-Agentur – relativ schnell und problemlos umsetzen. Und das ist es wert – im Sinne einer langfristigen Finanzierungsstrategie für das Unternehmen und für das Segment der Mittelstandsanleihen als Ganzes.

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.