Natürlich werde es immer wieder Rallyes geben, die kurzfristigeren Zyklen unterworfen seien, doch das Endergebnis hört sich nicht gut an. Zu diesem Ergebnis kam eine Gruppe von Professoren, die die Entwicklung des US-Aktienmarktes in Abhängigkeit von den demographischen Gegebenheiten untersucht hatten. Im übrigen gelangte auch Robert Shiller, Autor des bekannten Buches „Irrational Exuberance“ (2000), zu der Auffassung, daß die Bevölkerungsentwicklung in den USA einen ganz erheblichen Anteil am Bullenmarkt 1982-2000 gehabt haben müsse.

Entscheidend ist demnach das Verhältnis von Menschen im mittleren Alter zu denen, die nachfolgen, als auch im Verhältnis zu den sich im Ruhestand befindlichen Personen. Während junge Leute im Alter von 20 bis 39 nämlich eher zu den Konsumenten gezählt werden, gelten die etwas älteren als diejenigen, die ihr Kapital verstärkt im Aktienmarkt investieren. Als Rentner wiederum gehören sie tendenziell zu den Verkäufern im Sinne eines Kapitalverzehrs im höheren Lebensalter.

Die grundlegende Tendenz in den Vereinigten Staaten ist aber, daß die Baby Boomer der geburtenstarken Jahrgänge 1945 bis 1965 mittlerweile ins Alter kommen, ihnen aber weit weniger „Echo Boomers“ (Jahrgänge 1965-1985) nachfolgen. Etwa 27 Mio. Menschen beträgt die Differenz zwischen diesen beiden Gruppen, da die Geburtenrate nach dem Pillenknick stark abgenommen hat, was praktisch für alle westlichen Industrienationen (Ausnahme jedoch Schweden) gilt.

Bezogen auf den US-Markt scheint die Koinzidenz relativ gut belegbar, allerdings muß das Modell sich als Prognoseinstrument erst noch bewähren. Demzufolge müßte der beschriebene Trend in den USA ca. bis zum Jahre 2018 für schwächere Aktienmärkte sorgen, wenn man mal sämtliche anderen Randbedingungen außen vor läßt.

Da fragt sich der Leser mit zumindest partiellem Erinnerungsvermögen unwillkürlich, wie das zu dem 1999er Buch „Dow 36.000“ oder auch zur Prognose von 100.000 Dow-Zählern bis 2020 (oder so) paßt. Das waren Aussagen, die einzig dem Zweck gedient haben können, in einem hysterischen Bullemarkt Bücher über eben jenen Bullenmarkt unter den Teilnehmern des Bullenmarktes zu plazieren. In keiner anderen Phase wäre so etwas auch nur ansatzweise möglich.

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