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Doch an der deutschen Wachstumsbörse lösen die drei magischen Buchstaben keine Besorgnis aus, sondern lassen in den Augen der Investoren die Dollarzeichen aufleuchten. Ein Objekt der Begierde ist zur Zeit die Aktie von Eurofins Scientific. Es klingt wie ein Märchen. In Zeiten, in denen sich niemand an der Börse engagieren möchte, scheint die Nachfrage nach diesem Titel unerschöpflich. In einer Woche verdoppelte sich der Wert des Unternehmens von 25 auf 51 Euro. Zur Zeit notiert die Aktie wieder bei 42 Euro. Was war passiert?

Das französische Bioanalytik-Unternehmen, das erst vor wenigen Wochen vom französischen Nouveau Marché kommend ein Zweitlisting am Neuen Markt durchgeführt hatte, bietet 3.000 verschiedene Techniken für die Lebensmittelanalyse an. Die 800 Mitarbeiter zählende Gesellschaft verfügt über eine Vielzahl an Kunden, zu denen namhafte Nahrungsmittelhersteller gehören. Das Kaufargument war aber für die meisten Börsianer wohl vielmehr die Tatsache, daß die Franzosen seit kurzem auch einen BSE-Schnelltest im Angebot haben. Offenbar Grund genug, den Kurs der Aktie in die Höhe zu treiben. Die Bewertung nimmt mittlerweile skurrile Formen an. Ob ein 2001er KGV von aktuell 238 bei einem Ergebnis, das dieses Jahr nur knapp im Plus liegt, gerechtfertigt ist, sollten sich die Investoren am besten selbst fragen. Neben Eurofins konnten auch kurzfristig die Aktien der november AG und des Biochip-Herstellers GeneScan Europe profitieren. So hat november eine biologische Ohrmarke für Rinder entwickelt, mit der sich die Herkunft von Rindfleisch genau zurückverfolgen läßt. Auch diese Aktie stieg binnen einer Woche um 35 %.

Im Grunde sind solche Kursbewegungen am Neuen Markt nicht neu. In regelmäßigen Abständen werden neue Technologien auserkoren: Nach Telekommunikation, Medien, Logistik und Umwelttechnologie folgt nun der nächste Hype, auch wenn in diesem Fall keine Branche im Anlegerfocus steht, sondern Einzelwerte. Das böse Erwachen folgt kurze Zeit später. Denn die Zyklen verlaufen in den meisten Fällen nach ähnlichen Mustern.

Zunächst sind die wenigsten angetan von den entsprechenden Aktien. Dann wird der Anlegerschar seitens Analysten und der Unternehmen sowie vermeintlichen Gurus trichtern gebetsmühlenartig, daß es ein grober Fehler wäre, sich bei den neuen Kultaktien nicht zu engagieren. Die Kurse steigen, entfesselt durch die Gier und die Angst, etwas zu verpassen. Viele Anleger stürzen sich auf die entsprechenden Titel, oft ohne die Geschäftsmodelle der Unternehmen wirklich verstanden zu haben. Auch Bewertungen spielen in diesem Szenario keine Rolle mehr. Irgendwann ist auch der letzte überzeugt. Der obligatorische Fahnenstangenchart der betroffenen Aktien nähert sich seinem Ziel. Das ist erreicht, wenn niemand mehr bereit ist, die übertriebenen Preise zu bezahlen. In diesem Moment weicht die Gier der Angst. Die Investoren möchten ihre Titel am liebsten noch schneller abstoßen, als sie diese vorher erworben haben. Hals über Kopf geht es bergab. Die Zeche zahlen diejenigen, die als Trittbrettfahrer auf den Trend aufgesprungen sind und sich nicht rechtzeitig zurückziehen.

“Modeaktien“ sollten daher für besonnene Anleger tabu sein. Sie versprechen hohe Gewinne, solange sie im Trend liegen. Sobald sie aber „out“ sind, wird es teuer für die jeweiligen Aktionäre. Wenn das Thema BSE nach einiger Zeit „wieder gegessen ist“, schmeckt ihnen vielleicht sogar wieder Rindfleisch. Hoffentlich liegen ihnen dann die „BSE-Aktien“ nicht schwer im Magen.

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