Zudem bastelt Mobilcom schon eifrig an einer m-Commerce-Plattform, über die in Zukunft mittels der UMTS-Technik weitere Dienstleistungen angeboten werden können. Im April diesen Jahres hat der Vorstand und Mehrheitsaktionär Gerhard Schmid die Fachwelt bereits damit überrascht, daß er die France Telecom als finanzstarken Partner mit ins Boot holen konnte. Mit der Gründung einer Telebank beweist er nun, daß er eben nicht nur ein Quertreiber und Preisbrecher ist, sondern auch strategische Visionen verfolgt, um sein Unternehmen im zunehmenden Wettbewerb erfolgreich zu positionieren. Mit Volker Visser, dem Gründungsvorstand der Advance Bank, hat sich Gerhard Schmid im April diesen Jahres zudem gleich den richtigen Mann ins Boot geholt. Visser erfüllt einerseits die strengen Auflagen des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen als künftiger Bankvorstand und bringt andererseits das erforderliche e-Banking-Know-how mit.

Angesichts fallender Margen im Telefon- und Onlinegeschäft verbleiben einem Telekommunikationsanbieter wie Mobilcom nicht viele Möglichkeiten, weitere Ertragspotentiale zu generieren. Eine interessante Ertragsquelle wäre die Finanzierung der angebotenen Kommunikationsdienstleistungen: Immer mehr Privatkunden wollen mobil erreichbar und vernetzt sein, viele davon können sich den kostspieligen Handyvertrag jedoch strenggenommen gar nicht leisten. Was liegt näher, als diesen Kunden einen großzügigen Kreditrahmen zur Verfügung zu stellen und danach an den auflaufenden Zinsen zu verdienen? Zunächst mutet diese Idee vielleicht etwas exotisch an, jedoch gibt es bereits eine Vielzahl von Branchen, allen voran die Automobilindustrie, die auf diese Art und Weise aus der Not sinkender Margen im Kerngeschäft eine Tugend gemacht hat.

Mit der noch zu gründenden Telebank lassen sich zukünftig weitere interessante und lukrative Finanzdienstleistungen anbieten: Zu denken wäre hier nur an die Zahlungsabwicklung soeben per Handy erworbener Waren oder gar eine Kreditkartenfunktion der SIM-Karte, durch die herkömmliche Zahlungsmittel wie die ec-Karte bald überflüssig wären. Mit über 5 Mio. Festnetz- und Mobilfunkkunden verfügt Mobilcom schon heute über die erforderliche potentielle Marktmacht, um im e-Banking zukünftig als einer der Big Player mitspielen zu können. In dieser Größenordnung wäre die Mobilcom-Bank selbst etablierten Direktbanken wie Entrium (ca. 1 Mio. Kunden), comdirect (ca. 480.000) oder ConSors (ca. 380.000) überlegen. Allerdings ist trotz dieses immensen Kundenpotentials noch längst nicht sicher, ob der erfolgsverwöhnte Telekommunikationskonzern auch im hart umkämpften Finanzdienstleistungsgeschäft Fuß fassen kann. Insbesondere die vollmundige Ankündigung des Mobilcom-Chefs, auch beim lukrativen Aktienhandel via Handy kräftig mitmischen zu wollen, ist mit Vorbehalt zu sehen: Die sogenannten „heavy trader“ unter den Privatanlegern haben sich bereits für die etablierten Discountbroker entschieden und dürften trotz hoher Mobilität nur schwer wieder abzuwerben sein, allenfalls über günstigere Konditionen oder noch besseren Service.

Ersteres würde jedoch die Ertragsbasis im e-Banking analog zum Telekomsektor nach und nach unterminieren – Mobilcom würde sich sprichwörtlich vom Regen in die Traufe begeben, und letzteres dürften die Platzhirsche, die über die längere Erfahrung und die größeren personellen Ressourcen auf dem Gebiet des Discount-Brokerage verfügen, zu verhindern wissen. Es ist daher wahrscheinlich, daß Gerhard Schmid über kurz oder lang wie seine Mitbewerber auf Kooperationen setzen oder sich das erforderliche Know-how zukaufen wird. Der Aufbau einer eigenen e-Banking-Plattform ist summa summarum sicher der richtige Weg. Es bleibt indes abzuwarten, ob die „Schmid-Bank“ aus Büdelsdorf dem Ableger der ähnlich klingenden Privatbank aus Süddeutschland Paroli bieten kann.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.