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Es ist viel passiert in den zurückliegenden zwölf Monaten, doch leider nicht immer im Sinne der meisten Anleger. Zu Beginn des neuen Jahrtausends, da war die Freude noch groß. Kaum war der Silvestertaumel vorbei, wurden die Gläser hoch gerissen. Ein neues, großes Jahr sollte anbrechen, ein Börsenjahr der Superlative. Das ist es zum Teil auch geworden, nur dürften einige der Rekorde keine Jubelschreie gelöst haben, wie zum Beispiel der rekordverdächtige Rückgang des NEMAX All Share.

Was die Zahl der Neuemissionen betrifft, so entpuppten sich die zu Anfang des Jahres geäußerten Prognosen als viel zu optimistisch. Von den bis zu 250 neuen Unternehmen, die im Januar noch am Neuen Markt erwartet wurden, kamen letztlich nur 137. Schuld war der Kurssturz der High Tech-Werte. Unzählige IPO-Kandidaten (11 Unternehmen in den letzten zwei Monaten) bekamen angesichts der rasant fallenden Notierungen kalte Füße und bliesen ihren Börsengang ab, teilweise erst in buchstäblich letzter Minute.

Trotz der zuletzt widrigen Umstände schafften selbst einige „große Brocken“ den Sprung an die Börse. Allen voran natürlich die Deutsche Post. Angestachelt durch eine groß angelegte Werbekampagne fragten private und institutionelle Investoren mehr gelbe Aktien nach, als angeboten wurden. So schaffte es der Bund, in einem schwierigen Marktumfeld den Brief-Monopolisten zu privatisieren und der Börse dafür den stolzen Betrag von 7,582 Mrd. Euro abzuknöpfen. Doch all die Beschwörungen mit Buzz-Words wie Logistik und e-Business konnten dem Kurs nicht sonderlich einheizen. Nach einem Hoch bei knapp 24 Euro notiert die Post-Aktie nun wieder bei 22,50 Euro und damit gerade einmal 7 % über dem Emissionspreis. Das Abwärtspotential scheint zwar begrenzt, aber eine Outperformance ist sicherlich auch nicht zu erwarten. In einer Erholung sollte die „Aktie Gelb“ mit dem Gesamtmarkt mitlaufen.

Auch wenn die größte diesjährige Emission am Neuen Markt (T-Online) mit einem effektiven Emissionsvolumen von 2,918 Mrd. Euro nicht annähernd an das IPO der Post heranreicht, so zeigt diese Dimension dennoch, daß das deutsche Wachstumssegment schon ein beachtliches Gewicht gewonnen hat. Die vier größten Emissionen des zurückliegenden Jahres – neben der Telekom-Tochter noch Carrier 1, comdirect und Lycos Europe – kamen bei ihrem effektiven Emissionsvolumen (abgegebene Aktien x Emissionspreis) alle auf einen Wert oberhalb von 670 Mio. Euro.

Mit unbarmherziger Klarheit zeigte sich in diesem Jahr, das Größe beileibe kein Garant für Qualität ist. Bestes Beispiel dafür ist Lycos Europe. Immerhin 672 Mio. Euro sammelte das Portal zum Börsengang von seinen Aktionären ein und demonstrierte mit einem Emissions-KUV von knapp 70 (Basis 2000/01) eine bis dahin nicht gekannte Gier. Schon zu Beginn hatte GoingPublic von einem Engagement abgeraten. Wer diesen Rat befolgte, ersparte sich viel Ärger. Der Kurs hat mittlerweile über 80 % seines Wertes verloren. Ein Aufschwung bleibt in weiter Ferne.

Bei T-Online sieht es nicht viel anders aus. Querelen in der Vorstandsetage, Zielkonflikte mit dem Mutterkonzern Deutsche Telekom und ein rauher Wettbewerb brachten den deutschen Vorzeige-ISP unter Druck. Der Kurs notiert aktuell über 50 % unter dem Ausgabepreis. Eine nachhaltige Erholung scheint auch hier in der nächsten Zeit kaum wahrscheinlich.

Die comdirect bank folgte dieses Jahr ihren Wettbewerbern ConSors und Direkt Anlage Bank an den Neuen Markt – mit einem Emissionsvolumen von immerhin 871 Mio. Euro. Auch hier blieb die erhoffte positive Kursentwicklung aus. Kaum mehr als 20 % kletterte der Kurs über den Emissionspreis. Momentan notiert er 20 % darunter. Ein Schnäppchen ist die comdirect-Aktie auf diesem Niveau trotzdem nicht.

Für Carrier 1 (Emissionsvolumen: 913 Mio. Euro) sieht es dagegen schon etwas besser aus. Die Aktie des Hochgeschwindigkeits-Kabelnetzbetreibers mußten ordentlich Federn lassen. Doch die Geschäftszahlen rechtfertigen diesen Abschlag nur bedingt. Hier könnte eine Erholung bevorstehen.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.