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Das gilt auch für viele Unternehmen des Neuen Marktes. Nicht wenige Unternehmen mußten im vierten Quartal die kühnen Prognosen für das Gesamtjahr 2000 (!!!) nach unten korrigieren. Der eine oder andere Anleger könnte sich dabei die Frage stellen, ob die Jungmanager eigentlich die Grundrechenarten beherrschen.

Erst gestern veröffentlichten itelligence – aus der Fusion von SVC und Apcon hervorgegangen – und ad pepper eine Gewinnwarnung für das laufende Jahr. itelligence hatte die Verfehlung der Planzahlen geschickt im letzten Absatz versteckt, nachdem auf fast einer Seite alles in Superlativen dargestellt wurde. Die Überschrift der Gewinnwarnung „Wachstumsbeschleunigung im dritten Quartal…“ paßte allerdings nicht so ganz zum Thema…

Auch der Werbevermarkter ad pepper media traf mit den gestrigen Neun-Monatszahlen nicht ins Schwarze. Das Unternehmen korrigierte die Umsatz- und Ertragsplanung für das laufende Jahr deutlich nach unten. Begründet wurde dies „durch eine nicht saisonübliche Zurückhaltung bei den Online-Werbeausgaben seit Oktober 2000 und einem damit einhergehenden starken Preisdruck im Gesamtmarkt…“. War dies wirklich nicht vorhersehbar? GoingPublic-Online riet bereits am 29. September mit folgender Begründung von der Zeichnung der ad pepper-Aktie ab: „Ein drohender Margenverfall und die in dieser Branche üblichen niedrigen Markteintrittsbarrieren lassen die Unternehmensprognosen darüber hinaus sehr unsicher erscheinen.“

Wirklich filmreif waren die Neun-Monatszahlen des Medienunternehmens Intertainment. Es begann, damit, daß die Neun-Monatszahlen zunächst als Quartalszahlen ausgewiesen wurden und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit als „Gewinn“ bezeichnet wurde. Aber auch die nackten Zahlen sprechen für sich. Wer am 17. November die Umsatzplanung für das laufende Jahr um 41 % nach unten korrigieren muß, hat wirklich keinen Rechen-Oskar verdient…

Wirklich cool präsentierte wenigstens STEAG HamaTech am 27. Oktober die Neun-Monatszahlen. Stolz berichtete das Unternehmen vom Ausbau der Marktposition als Weltmarktführer und sparte auch sonst nicht mit Superlativen. Das Ganze hatte nur einen kleinen Schönheitsfehler – die Zahlen. Der Umsatz gab gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 6 % nach, das EBIT brach um 52 % ein! Das Unternehmen betonte, daß dies (verbunden mit einer Verlagerung der Produktion) auch „nennenswerte Steuer- und Liquiditätsvorteile“ hat. Auf Steuervorteile dieser Art hätten die Aktionäre vermutlich gerne verzichtet…

Die Liste negativer Beispiele ließe sich noch beliebig verlängern (Metabox, Alphaform, Allgeier, Vectron, u.a.). Eine Fortsetzung wird wohl leider folgen müssen…

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.