Bestes Beispiel für einen klassischen Absteiger sind die sogenannten Tracking Stocks. Im Aktienboom der Neunzigerjahre gehörten sie noch zu den angesagtesten Aktienformen, die die Börse zu bieten hatte. Ihr Vorteil: Große Konzerne konnten mit Hilfe der Tracking Stocks ganz speziell ihre wachstumsträchtigsten Geschäftsbereiche abbilden. Der konservative Rest des Unternehmens drückte nicht auf die Performance. Da nahm man gerne hin, daß diese Aktiengattung weit weniger Aktionärsrechte verbriefte als eine herkömmliche Stammaktie.

Der französische Telekommunikationsausrüster Alcatel beispielsweise begab im Herbst 2000 Tracking Stocks auf den Bereich Optotronics. Telekommunikation allein machte schon lang nicht mehr glücklich, aber bei einem Hersteller von Komponenten für Glasfasernetze kamen die Anleger in Strömen. Mittlerweile hat sich das Blatt gewandelt. Was jetzt zählt, sind Stimmrechte und Dividenden, Zukunft allein ist nicht mehr „sexy“. Deswegen will Alcatel seine Tracking Stocks in normale Stammaktien umwandeln, auch Sprint denkt darüber nach. Und AT&T hat Pläne für die Ausgabe von Tracking Stocks auf das Privatkundengeschäft vorerst verschoben. Ob es noch zur Ausgabe kommt, ist ungewiß.

Die Anlageform Tracking Stocks hat sich überlebt. An den heutigen Bedürfnissen gehen die auf Wachstum getrimmten Aktien weit vorbei. Oder, wie es ein Fondsmanager von CS Asset Management jüngst ausdrückte: Es gibt „kaum einen Grund, warum diese Anlagekategorie noch existiert.“ Recht so, sagen wir.

Jetzt interessiert das, was im Abschwung funktioniert oder, anders ausgedrückt, dem gewandelten Anlegerverständnis genau entspricht. Bestes Beispiel dafür sind die Zertifikate. Nicht, daß sie besser laufen würden als ihre aktiv gemanagten Kollegen (das Benchmark-Portfolio des Marktführers Xavex entwickelte sich 2002 mit einem Minus von 30 % kaum besser als der Querschnitt aller großen Fonds, der Micropal Fund Average). Der Unterschied ist wohl eher, daß sie ehrlicher sind. Keine versteckten Verwaltungskosten, keine überzogenen Performance-Fees für mittelmäßige Fondsmanager, keine kaum zu rechtfertigen Ausgabeaufschläge. Die anteilsmäßig größte Gruppe, die Index-Zertifikate zum Beispiel, bilden schlicht und ergreifend ein komplettes Kursbarometer oder einen entsprechenden Teil davon ab. Verdienen kann die Bank dabei hauptsächlich an der gestellten Geld- und Briefspanne.

Mit den Zertifikaten haben die Emittenten ins Herz der Anleger getroffen. Das Wachstum im letzten Jahr war explosionsartig. Der Umsatz mit Zertifikaten stieg von 28,8 Mrd. auf 48,3 Mrd. Euro. Die Anlagesumme in Aktienfonds sank im gleichen Zeitraum um die Hälfte.

Die Banken haben die Herausforderung erkannt und feilen nun eilig an Vertriebsstrukturen und Marketingkonzepten, das eigene Produkt soll schließlich optimal plaziert werden. Und die Zeit drängt, denn der nächste Trendwechsel kommt bestimmt.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Beitrag? Dann nutzen Sie das askGoingPublic-Board: Stellen Sie GoingPublic Ihre Fragen oder diskutieren Sie die Fragen anderer User!

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

 

Autor/Autorin