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“Everything´s gonna be alright!“, alles wird gut. Das ist ein oft gehörter Ausspruch in den USA. Da steckt Optimismus drin, der Glaube an das Gute, das jede Geschichte zu einem „Happy End“ bringt – einschließlich der amerikanischen Konjunktur. Und fast könnte man geneigt sein, sich diesem Optimismus anzuschließen. Es sieht ja auch alles danach aus. Der Einkaufsmanagerindex zog wiederholt an und liegt mittlerweile wieder auf einem hoffnungsvollen Niveau. Die amerikanische Bevölkerung hat trotz mehrheitlich leerer Kassen das Geldausgeben noch immer nicht verlernt, gestützt durch stabile Immobilienpreise konnte der private Verbrauch sein (hohes) Rezessionsniveau jüngst sogar noch ausbauen. Die Inflation bleibt niedrig, was wiederum der US-Notenbank ermöglicht, den Zins trotz anziehender Konjunktur auf dem historisch niedrigen Niveau zu belassen und so der Wirtschaft zusätzlichen Schub zu geben. Friede, Freude, Eierkuchen also?

Leider nicht. Was die Wall Street bei ihrem Aufschwungs-Szenario elegant unter den Tisch fallen läßt, ist neben allen anderen Gefahrenherden die Bedrohung durch das Wiederaufleben eines Defizits in doppelter Ausführung.

Da ist zum einen das plötzlich wieder vorhandene Haushaltsdefizit. Nach Jahren der Konsolidierung wird unter Bush Junior wieder auf Pump gewirtschaftet. Die Regierungspläne, um die Staatsschulden mittelfristig wieder zurückzuführen, wirken alles andere als glaubhaft. So muß davon ausgegangen werden, daß das Defizit bleibt und auf längere Sicht zur Konjunkturbremse wird.

Zum anderen droht den USA ihr immenses Leistungsbilanzdefizit. Das gab es schon vorher, werden einige argumentieren, und passiert ist trotzdem nichts. Doch die Gefahr besteht weiterhin und wird sogar noch größer, denn das negative Leistungsbilanzsaldo wächst. 2003 könnte es schon 4,5 % des BIP ausmachen. Die amerikanische Wirtschaft ist stark, aber auch sie kann dieses Ungleichgewicht langfristig nicht finanzieren. Also muß über kurz oder lang der Dollar abwerten.

Damit aber wäre die Initialzündung zu einem Einknicken der Konjunktur gegeben. Fällt der Dollar, steigt die Inflation sprunghaft an. Die Fed müßte als Reaktion darauf die Zinsen anheben. Die billige Finanzierung der Wirtschaft wäre passé, die Aktienkurse würden fallen. Die gestiegene Zinsbelastung der vielen verschuldeten privaten Haushalte würde dem Konsum den Hahn abdrehen und so der Konjunktur endgültig den Garaus machen.

Alles nur ein Horrorszenario, wilde Spekulation? Vielleicht, denn noch ist der Dollar stark, aber die Abwertung könnte kommen. Nur wann, das weiß natürlich niemand.

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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