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Unternehmen, die eine gute Nachricht nach der anderen liefern, erfreuen ihre Aktionäre durch stetig steigende Kurse. Aber was ist mit der anderen Seite? Was ist mit den Unternehmen, deren Qualitätsanspruch durch immer neue Mißerfolge ins Wanken gerät, die ihre Aktionäre mit der Herabsetzung ihrer Wachstumsprognosen enttäuschen und verunsichern? – Natürlich, eine einmalige Korrektur des Wachstumsplans nach unten, ist nichts Schönes; wenn das Unternehmen aber verständliche, triftige Gründe hat, dann kann das Vertrauen der Anleger wieder zurückgewonnen werden; – wenn aber das sog. „Wachstumsunternehmen“ immer und immer wieder die Wachstumsprognosen nach unten revidieren muß, dann ist das eine gefährliche Gratwanderung, welche fatale Folgen für die Investoren wie auch für das Unternehmen selbst haben kann.

DataDesign ist ein solcher Kandidat. Das im Bereich e-Banking und e-Commerce tätige Unternehmen vollführt nun schon seit etwa einem Jahr den erwähnten Drahtseilakt. Datadesign wurde im November 1998 durch die Gontard & Metallbank, SchmidtBank und Sal. Oppenheim an den Neuen Markt geführt. Zu diesem Zeitpunkt war der damalige Vorstandsvorsitzende und Gründer Stefan Pfender noch voller Euphorie. Ein Jahresüberschuß von 0,5 Mio. Euro sowie ein 140 %iger Umsatzanstieg auf 5,2 Mio. Euro sollte erreicht werden. Nach Abschluß des Geschäftsjahres 1998 mußte der DataDesign-Vorstand aber einsehen, daß die zum Börsengang veröffentlichten Planungen wenig mit der Realität zu tun hatten, denn statt des geplanten Jahresüberschusses wurde ein Fehlbetrag in gleicher Höhe ausgewiesen. Der Umsatzanstieg auf letztlich sogar 6,3 Mio. Euro konnte nur durch die Übernahme von Software4You realisiert werden.

Die Erwartungen für das Geschäftsjahr 1999 hingegen ließen die Aktionäre wieder neuen Mut fassen: Auf 12,3 Mio. Euro sollte der Umsatz zulegen – und alles schien wieder in Ordnung. Doch der Frieden währte nicht lange. Am 23. April teilte das Unternehmen ad-hoc mit, daß aufgrund der Akquisition der Software4You „eine Anpassung der bestehenden Strukturen notwendig [sei], die sich kurzfristig negativ auf das Ergebnis“ auswirke. Auch der Aufbau „einer starken Vertriebs- und Marketingmannschaft“ belaste, so daß das Umsatzziel auf 9,2 Mio. Euro revidiert werden mußte. – Die Zitterpartie ging also weiter, und der Kurs in den Keller. Vom Hoch bei etwa 53 Euro hatte der sich schon lange verabschiedet.

Nach dem zweiten Quartal am 26.August brillierte DataDesign aufs Neue – mit einer Erklärung für die weiterhin schlechten Zahlen. Das ausgeweitete negative Ergebnis wurde mit „einem Rückstellungsbedarf, der aus vertraglichen Risiken der Vergangenheit und Verlusten aus at equity Konsolidierungen von Tochtergesellschaften“ begründet. Ferner wurde den Anlegern mitgeteilt: „Die Altlasten und die notwendigen Aufräumarbeiten sowie Investitionen in die Neuausrichtung der DataDesign AG […] werden das Unternehmen auch im zweiten Halbjahr 1999 belasten.“ – Die nächste bittere Pille für alle Aktionäre. 7,15 Mio. Euro waren nun das Umsatzziel für 1999. Das Ergebnis wurde auf einen geplanten Fehlbetrag von 4,1 Mio. Euro korrigiert. Wohl auch aus diesem Grund wurde Vorstandsvorsitzender Pfender mit Wirkung zum 30. Juli in den Aufsichtsrat „versetzt“. Mit dem neuen Vorstand Roy van der Locht sollte vieles besser werden: „Wir werden uns wieder stärker auf unsere Kernkompetenzen besinnen.“

Am 25. November teilt das Unternehmen ad-hoc mit, daß wegen Lieferengpässen im Bereich Chipkarten und Chipkartenleser sowie einer Verzögerung in der Fakturierung eines Auftrages die Umsatzerwartung für das laufende Geschäftsjahr auf 6,4 Mio. Euro und der Jahresfehlbetrag auf etwa 6 (!) Mio. Euro revidiert werden muß.

Dort noch von Shareholder-Value zu sprechen, käme blankem Zynismus gleich. Daß DataDesign das Vertrauen seiner Investoren nun vollkommen verspielt zu haben scheint, ist nicht zuletzt am Kurs der Aktie zu erkennen. Das Hoch zum letzten Jahreswechsel ist schon lange passé. Aktuell hat die Aktie mit einem Kurs von ca. 10 Euro etwa 80 % ihres Wertes verloren. Ob Datadesign diesen Vertrauensverlust jemals wieder wettmachen kann, ist fraglich. Ein Investment in diesen Titel käme zum jetzigen Zeitpunkt – obwohl sich DataDesign erst am Freitag wieder mit einer Umsatzprognose für 2000 von 16,9 Mio. Euro äußerst optimistisch gab – jedenfalls einem Spiel mit dem Feuer gleich.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.