Es ist doch gar nicht so schlecht, daß die Aussicht auf provisionsträchtiges Neugeschäft einschließlich der Riesterschen Ausgeburt deutschen Verwaltergeistes, die uns als Altersvorsorge gepriesen wird, daß also eben diese Aussicht die Versicherer der Nation zu höheren Renditegutschriften an das Versichertenvolk zwingt, als die lobbygeschützten Verweser der vereinigten Spargroschen heuer zu erwirtschaften in der Lage waren.

Der Kunde reibt sich die Augen – wie kann das gehen? Mehr verteilen, als man einnimmt? Kein Problem, wenn man jahrzehntelang das Gegenteil davon getan hat und nun zu Marketingzwecken eine Lage des angesetzten Specks abgibt. Pardon, meine Damen und Herren Versicherer, natürlich sind die Gewinnbeteiligungen nur aus Rücksicht auf den Blutdruck der Kunden nicht stärker gesenkt worden. Und aufgrund der Ausschüttungskontinuität.

Die Angelsachsen bespötteln diese Form der Berichterstattung als „Cookie Jar Accounting“. Wie im guten Mittelklassehaushalt gelegentliche Liquiditätsüberschüsse der Haushaltskasse in der Keksdose oben auf dem Küchenregal diskret zwischengelagert werden, so pflegen deutsche Banken und Versicherungen zu bilanzieren. In guten Jahren werden Rückstellungen gebildet, bis dem Betriebsprüfer die Augen tränen, um in schlechten Jahren nicht zeigen zu müssen, wie schlecht das Jahr tatsächlich war. Durch tiefgestapelte Gewinnausweise ließen sich auch Begehrlichkeiten der Aktionäre auf die ihnen gesetzlich zustehende Gewinnbeteiligung eindämmen.

Was hat das mit den Renditen der Lebensversicherer zu tun? Leider recht viel.

Weil zu einem ausgewogenen Portfolio auch Immobilien gehören, kaufen die Versicherer ebensolche ein, vermieten sie und schreiben sie über die steuergesetzliche Nutzungsdauer ab. Am Ende der Nutzungsdauer steht das voll vermietete Bürohochhaus in bester Innenstadtlage mit einem Euro in der Bilanz und wurde über viele Jahre hinweg zu Lasten des Gewinns der Versicherung finanziert. Da der Gewinn zu mindestens 95 % den Versicherten als Überschußbeteiligung zusteht, haben die Kunden letztlich den Löwenanteil berappt. Erst wenn das Objekt verkauft oder unter Aufdeckung stiller Reserven umgegliedert wird, steht das versteckte Geld wieder den Versicherungskunden und -aktionären zur Verfügung.

Liebe Versicherer, dann mal her mit Euren allzu-stillen Reserven in Immobilien und – nicht zu vergessen – Beteiligungen quer durch die Deutschland AG! Wir wollten schon lange einmal wissen, was Ihr mit unserem Geld gemacht habt. Hoffentlich gesellt sich zur optisch hohen Rendite auch bald die Transparenz als Marketing-Argument.

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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