Immer wieder machen Berichte über hart arbeitende Menschen, die für Stundenlöhne unterhalb von drei Euro in Hotels Zimmer herrichten, Pizza ausfahren oder Klos putzen, die Runde. Neben den viel zitierten Ein-Euro-Jobs gibt es in ganz erheblichem Umfang auch 3-Euro-Jobs in unserer Gesellschaft. Nur zu leicht entzündet sich an diesen Billig-Jobs eine ideologische Debatte. Auf der einen Seite die Lordsiegelbewahrer der reinen Lehre der freien Marktwirtschaft, wie sie zum Beispiel bei den Freien Demokraten zu finden sind, und auf der anderen Seite die Gewerkschaften, die Ausbeutung feudaler Prägung wittern.

Nach einer jetzt vorgestellten Statistik des Deutschen Gewerkschaftsbundes benötigen mehr als 12% dieser Billigjobber weitere Unterstützung nach Hartz IV, weil ihr Verdienst zum Lebensunterhalt nicht reicht. Es herrscht in unserem Gesellschaftssystem der Konsens, dass Menschen verschiedene Fähigkeiten besitzen und anbieten können, die eine unterschiedliche Bezahlung rechtfertigen. Wie hoch eine gerechtfertigte Bezahlung sein darf wird gerne entlang der Managervergütung diskutiert. Die Diskussion zur Frage der Niedriglöhne kann genauso unter das Motto „Leistung muss sich lohnen“ gestellt werden.

Wer gewissenhaft einen Vollzeitjob ausübt, für den sollte es sich doch soweit lohnen, dass er nicht unterhalb der Armutsgrenze leben muss. Alles andere macht keinen Sinn, da es einen Unterschied zwischen Beschäftigten und Leistungsempfängern geben muss. Wer in dieser Argumentationslinie fordert, Menschen mit weniger als dem, was Hartz IV (inklusive der Sanktionsmöglichkeiten) bietet, zu versorgen, verlässt das Fundament unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung christlicher Prägung. Denn diese Forderung richtet sich gegen die Würde der Betroffenen.

Es ist verwunderlich, dass sich die etablierten Arbeitgeberverbände so wenig gegen Hungerlöhne wenden, schließlich wird der Stand des „Arbeitgebers“ durch jeden neuen Fall in Mitleidenschaft gezogen. Motto: Die da oben. Und die vom DGB geforderten 7,50 Euro stellen wahrlich keine Gefahr für den Standort Deutschland dar. China können wir hier eh nicht nachmachen, und noch nicht einmal das Argument der Arbeitsplatzverlagerung zieht: Man kann schlecht deutsche Hotelzimmer in Polen reinigen lassen, Pizza von Rumänien aus liefern und auch nicht die heimischen Fenster in China putzen lassen.

Und überhaupt: Warum soll der Beitrags- oder Steuerzahler die Gewinne jener subventionieren, die an den Billiglöhnen durch hohe Spannen verdienen? Ein gesetzlicher Mindestlohn wäre nicht mehr als ein kleines Stück mehr Gerechtigkeit in den Zeiten des Aufschwunges – aber wenigstens das.

Stefan Preuß