Schon seit zwei Jahren war DaimlerChrysler auf der Suche nach einem Partner in Asien. Das Unternehmen hat bereits Verbindungen mit Hyundai, suchte aber nach weiteren Kooperationspartnern. Nachdem in der letzten Woche Gerüchte laut wurden, wonach die Stuttgarter bei Mitsubishi einsteigen wollten, ist es seit heute morgen offiziell. DaimlerChrysler beteiligt sich mit 2,1 Mrd. Euro an Japans viertgrößtem Autohersteller. So sichert sich das deutsch-amerikanische Unternehmen nach japanischem Recht eine Kontrollmehrheit von 34 %.

Jürgen Schrempp und Mitsubishis Präsident Katsushiko Kawasoe haben sich in Stuttgart auf diese Allianz geeinigt. Schwerpunkte der Zusammenarbeit werden das Design (hier bleibt zu hoffen, daß Daimler sich nicht zu viel von den Japanern abschaut…), die Entwicklung, Produktion und der Vertrieb von Personenwagen sein. Zur Zeit unterhält Mitsubishi noch ein 50:50 Joint-Venture mit der Ford-Tochter Volvo in den Niederlanden. Diese Anteile wird Mitsubishi zurückkaufen, um dort mit DaimlerChrysler neue Klein(st)wagen der Modellreihe Smart zu entwickeln. Ein Smart-Viertürer ist angeblich in der Pipeline. Im Gegensatz zu Daimler sind die Japaner in diesem Segment bereits sehr erfahren. Auch die zukunftsweisende GDI (Benzindirekteinspritzung)-Technologie von Mitsubishi ist ein wertvolles Assett für Daimler, insbesondere vor dem Hintergrund der strikter werdenden Euro-Abgasnormen.

Der wichtigste Vorteil für DaimlerChrysler ist natürlich geostrategischer Natur. Wie Jürgen Schrempp heute auf einer Pressekonferenz verlautbarte, ergäben sich für sein Unternehmen in Afrika, Asien und insbesondere in Japan gewaltige Absatzchancen. Im Gegenzug profitieren die Japaner von Daimlers starker Präsenz in Europa und Amerika. Im letzten Jahr erwirtschafteten Schrempp & Co. nur 4 % der Umsätze in Asien. Über die nächsten Jahre – so die ambitionierten Pläne – soll dieser Anteil auf 25 % ansteigen.

Der Preis, den DaimlerChrysler für den Deal ausgehandelt hat, erscheint hoch. Auf Basis des Schlußkurses der Mitsubishi-Aktien am Freitag ist der erworbene Anteil lediglich 1,3 Mrd. Euro wert. Daimler zahlt also eine 60 %ige Prämie für den hochverschuldeten Konzern. Auch vor dem Hintergrund der strategischen Bedeutung des Standortes Asien und der Tatsache, daß DaimlerChrysler nun eine Kontrollmehrheit bei den Japanern besitzt, rechtfertigt sich dieser Goodwill nur eingeschränkt. Daimler hat zwar gegenüber der Nachrichtenagentur dpa-AFX beteuert, man übernehme keine Schulden der Japaner, die Restrukturierung von Mitsubishi wird aber dennoch kein leichtes Unterfangen. Langfristig wird Schrempp einen unprofitablen, hochverschuldeten Partner nicht dulden. Bei der Restrukturierung könnte ihm der Widerstand der einflußreichen Mitsubishi-Gruppe die Arbeit erschweren. Auch Entlassungen dürften in Japan derzeit nur sehr schwer durchzusetzen sein.

Grundsätzlich ergibt sich für DaimlerChrysler aber ein positiver Ausblick. Die breite globale Präsenz macht den nun drittgrößten Automobilhersteller unempfindlicher gegen lokale Konjunkturschwankungen. Der breitere Absatzmarkt hilft Kosten zu senken. Um die aggressiven Wachstumsziele in Asien zu erfüllen, wird DaimlerChrysler allerdings weitere Partner benötigen.

Nach der Fusion mit Chrysler im Jahr 1998 riefen einige Analysten bereits Kursziele von umgerechnet 125 Euro für die Anteilscheine von DaimlerChrysler aus. Davon sind wir noch immer weit entfernt, und die derzeitige Börsenstimmung für Automobilaktien macht es nicht wahrscheinlich, daß sich dieses schnell ändern wird.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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