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In Australien also gehen demnächst die Lichter aus. Jedenfalls sofern als Lichtquelle eine Glühbirne herkömmlicher Machart dahinter steht. Vier Millionen Tonnen Kohlendioxid könnten damit in einigen Jahren eingespart werden, frohlockte Präsident John Howard. Und vor allem: Jeder Bürger könne so etwas für den Klimaschutz tun. Nun also wird die Glühbirne in Australien „geächtet“ – etwa so wie Landminen, biologische Kampfmittel und Streubomben. Selten dürfte eine politische Placebo-Gabe weltweit mehr Aufmerksamkeit erregt haben als die Story von der bösen Glühbirne und dem guten Präsidenten. Howard hat der Ignoranz ein Gesicht gegeben. Denn Tatsache ist, dass Australien zu den größten Klimasündern dieses Planeten zählt und sich außerdem dem Kyoto-Protokoll verweigert. Mit der Ächtung der Glühbirne wird die Weste nicht rein.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel mochte diesen Zug nicht an sich vorbeirauschen lassen: Auch in Europa sollte die Glühbirne in Rente geschickt werden, forderte der Politiker umgehend. Das wird ein schwieriges Unterfangen hierzulande, der Ausstieg aus der Glühbirne. Ob Privathaushalten das Recht eingeräumt wird, Restlaufzeiten zu nutzen? So mancher Glühbirnenbetreiber könnte sonst aus der Fassung geraten, sozusagen.

Ignoranz ist dabei kein Privileg der Politiker. Die Financial Times zitiert Ken Fisher, Chairman von Fisher Investments in Woodside, folgendermaßen: „Als Investmentthema ist die Klimaerwärmung eine Blase, ein kurzlebiger gesellschaftlicher Wahn.“ Nun ja, bleibt zu hoffen, dass der Umdenkprozess bei Hedgefonds-Managern und Kollegen wenigstens dann beginnt wenn sie realisieren, dass heiße, zu trockene Sommer und unendlich verregnete Winter Gift für die kommenden Jahrgänge des Chateau Pichon-Longueville-Comtesse de Lalande oder anderer Spekulationstropfen sind. Der Urlaub auf den Seychellen fällt demnächst ja mangels Seychellen ohnehin aus oder ist nur noch als 100-Prozent-Tauchgang buchbar.

Nein, Klimaerwärmung wird eines der beherrschenden Investment-Themen werden. Wahrscheinlich ist es noch zu früh, schon heute die Gewinner von morgen zu identifizieren, weswegen die einschlägigen Baskets und Fonds mit der gebotenen Vorsicht zu goutieren sind. An der Attraktivität des Themas kann aber kein Zweifel nagen. Gute Zeiten für Investoren mit einem Näschen für innovative Firmen, die zur richtigen Zeit mit dem richtigen Produkt am Markt sind.

Stefan Preuß