Noch im Dezember letzten Jahres war das Getöse groß. Der Neue Markt macht seine Pforten endgültig dicht, und noch ehe dies ganz vollzogen ist, übernimmt die Konkurrenz das Ruder. Der europäische Ableger der Technologiebörse Nasdaq witterte seine Chance im deutschen Tech-Vakuum und schlug zu. Ende März wurde die Nasdaq Deutschland aus der Taufe gehoben, um den Anlegerhunger nach Wachstumswerten zu stillen.

Die Erwartungen waren groß, die Realität dagegen etwas beschaulicher. Von großem Interesse seitens der Investoren kann bis heute nicht wirklich die Rede sein. Zwei Monate nach dem Start lag der Gegenwert der gehandelten Wertpapiere bei 122 Mio. Euro. Zum Vergleich: Im Nebenwertesegment der Deutschen Börse wird oft in einem einzigen Wert mehr umgesetzt. Um es positiv zu formulieren: Aufwärtspotential scheint noch reichlich vorhanden.

Davon will der Mehrheitseigner Nasdaq Europe aber scheinbar nichts mehr wissen. Die europäischen Aktivitäten der Nasdaq sollen zurückgefahren werden. Der Handelsplatz in Brüssel steht schon zur Disposition – mit dem möglichen Aus in sechs Monaten. Entschieden ist bisher nichts. Aber die Nasdaq will sich verstärkt auf ihren Heimatmarkt konzentrieren, denn auch dort läuft nicht alles wie geschmiert.

Was das nun konkret für die Nasdaq Deutschland bedeutet, ist nicht klar. Die anderen Gesellschafter neben der Nasdaq Europe, also Commerzbank, comdirect, Dresdner Bank und die Börse Berlin-Bremen scheinen an dem Projekt festhalten zu wollen. Die Nasdaq Europe dagegen, die 50 % plus 1 Aktie hält, ist sich da nicht so sicher. Nach der Schließung des Neuen Marktes wäre das für die Deutsche Börse AG die Chance zum Ausgleich. Der kurz nach der Nasdaq Deutschland (ND) eingeführte TecDax steht schließlich nicht zur Disposition – und hätte sicherlich noch Platz für den ein oder anderen ND-Wert…

Zur gleichen Zeit in Italien: Börsenchef Massimo Capuano hat kein Interesse an der Vorreiterrolle und will seine Mailänder Börse deswegen nicht vor 2004 an die ebensolche bringen. Capuano traut der letzten Erholung nicht. Erst wenn sich wieder ein nachhaltiger Trend nach oben eingestellt hat, sieht er die Bedingungen für einen erfolgreichen Börsengang gegeben. Immerhin: kein Rückzug. Den zieht er auch für das italienische Wachstumssegment Nuovo Mercato nicht in Betracht. Spekulationen um ein baldiges Ende wehrte Capuano entschieden ab. Nicht das Börsensegment hätte zur Zeit ein Problem, sondern die Unternehmen, die dort gelistet seien. Wenn das so ist, dann hätten wir da einen Vorschlag: Tauschen sie doch einfach die Unternehmen aus, das müßte dann ja helfen.

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