Schon Ende Juni dieses Jahres wurde es mit viel Getöse bekannt gemacht: Es wird Konkurrenz für die Deutsche Börse und die Regionalbörsen geben, denn die Nasdaq Deutschland kommt. Die US-Technologiebörse Nasdaq und die Börsen Bremen und Berlin hatten sich zusammengeschlossen, um gemeinsam mit der Dresdner Bank, der Commerzbank und der comdirect bank einen neuen Aktienmarkt in Deutschland starten, eben die Nasdaq Deutschland. Da gab es den Neuen Markt noch. Zwar hatte der Probleme, aber ein reines deutsches Wachstumssegment mit vielen Tech-Werten war trotzdem da.

Daher ging es der Nasdaq mit ihren Verbündeten darum, ihr Produkt zu differenzieren. Zunächst sollten die wichtigsten Aktien des Dax 100, Nemax 50, Nasdaq 100, EuroStoxx 50 und Dow Jones gehandelt werden, mit dem Ziel, den Handel mittelfristig auf 3.000 auszuweiten. Den Anlegern versprachen die zukünftigen Betreiber bessere Orderpreise und eine gesteigerte Liquidität. Was damals noch nicht recht überzeugte, klingt jetzt durchaus interessant, denn von liquidem Handel kann bei den meisten Nemax-Werten wohl kaum mehr die Rede sein.

Für die Nasdaq kommt der Abschied vom Neuen Markt daher wie gerufen. Sie können ein neues Tech-Produkt genau dann anbieten, wenn das Gewohnte wegfällt. Ein rundum gelungener Angriff auf die Deutsche Börse ist es jedoch nicht, denn eigentlich sollte die Nasdaq Deutschland zum 1. Januar 2003 starten. Ein günstiger Termin, hätten sich auf diese Weise doch die Marktteilnehmer drei Monate an die neue Börse gewöhnen können, bevor die Deutsche Börse mit ihrem Technologie-Index TecDax um Anleger zu buhlen beginnt.

Nach Medienberichten hätte der Rat der Berliner Börse, selbst Gründungs-Mitglied, auf einer Sitzung Ende November den Start allerdings um ein Haar blockiert. Mehreren Mitgliedern waren die Kosten der Nasdaq Deutschland zu hoch gewesen, auch die mangelnde Informationspolitik wurde gerügt. Das Ganze wäre fast geplatzt, kommentierte ein Teilnehmer des Treffens den Ablauf. Mittlerweile steht einem reibungslosen Start aber nur noch die Zustimmung der Aufsichtsbehörden der beteiligten Börsenplätze entgegen, die im ersten Quartal erwartet wird.

Kommt sie denn wirklich, die deutsche Nasdaq, könnte sie in Anbetracht der aktuellen Situation zu einer echten Alternative werden, vorausgesetzt, der verspätete Start wird ein Erfolg. Zehn Tage haben die Betreiber Zeit, Investoren zu überzeugen. dann wird die Konkurrenz mit Einführung des TecDax wieder größer – und die Deutsche Börse wird um ihren Markt kämpfen, keine Frage.

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