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Bestes Beispiel dafür ist der jüngste Gehaltsskandal um den Chef der New Yorker Börse. Nach Grassos Selbstbediener-Eskapaden stehen nun auch andere Vorstandsmitglieder in der Kritik. Allen voran seine Stellvertreter, die beiden Vorstandsmitglieder Robert Britz und Catherine Kinney. Sie sollen sich ihre Arbeit ebenfalls stattlich haben entlohnen lassen. Zwar beziehen beide mit je rund 0,5 Mio. US-$ ein im Vergleich zu Grassos Millionen fast schon lächerliches Grundsalär, doch auch sie haben in den letzten fünf Jahren üppige Pensionsansprüche angehäuft – pro Person rund 28 Mio. US-$. Das stößt vielen Marktteilnehmern nun ebenfalls unangenehm auf. Was den beiden blühen könnte, ist klar: „Sie dürften wohl Grasso folgen und sich nach anderen Aufgaben umschauen“, so James Angel, Finance Professor an der Georgetown University. Eine unverblümte, aber wohl nicht ganz unrealistische Einschätzung – doch die letzten, die gehen müssen, werden sie kaum gewesen sein.

Die Quittung hat auch Frank Quattrone, ehemaliger Starbanker und Leiter der Technologieabteilung der Investmentbank Crédit Suisse First Boston bekommen. Wegen fragwürdiger Praktiken bei Börsengängen während der Boomjahre 1999 und 2000 mußte er seinen Platz bei CSFB räumen und steht nun vor Gericht. Um lukrative Investmentbanking-Mandate zu bekommen, soll er einflußreichen Managern bevorzugte Aktienzuteilungen bei heiß umkämpften Neuemissionen versprochen haben. Eine Strategie, die nicht nur einmal auf viel Gegenliebe stieß. Auch Michael Dell hat sich auf diese Weise gerne ködern lassen. Aber weil sich in Amerika immer alles zum Guten wendet, hat auch Quattrone ein Einsehen. Nachdem er lange Zeit mit den Aktienzuteilungen nichts zu tun gehabt haben wollte, kann er sich jetzt wieder daran erinnern „an einigen Gesprächen darüber beteiligt gewesen zu sein“ – Happy End nicht ausgeschlossen.

Einen Schritt weiter ist da schon Joseph Nacchio, vormals Chef des US-Telekommunikationskonzerns Qwest. Wie Quattrone und viele andere mehr, hat auch er das Spiel mit den Aktienzuteilungen glänzend zu spielen gewußt. Mehr als 1 Mio. US-$ habe Nacchio an Börsengängen der Citigroup verdient, weil er der Bank dafür entsprechende Investmentbanking-Mandate verschafft habe, so die Anklage des New Yorker Staatsanwaltes Eliot Spitzer. Auch Nacchio zeigte sich einsichtig und entging einer direkten Klage durch die Zahlung eines Ablasses von 0,4 Mio. US-$. Schwein gehabt, kann man da nur sagen, denn auf diese Weise dürfte sich das Ganze für Nacchio immer noch gelohnt haben – auch nach Abzug der Spesen.

Wie es scheint, hat Wall Street auch nach mehrjährigen Aufräumarbeiten noch eine Menge Interessantes zu be(r)ichten. In diesem Sinne: Let’s see who’s next!

Die Kolumne erscheint zweimal wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.