Trotz verkürzter Handelszeiten am Freitag konnten die Aktien des Telekommunikationsgiganten AT&T etwa 8 % zulegen, nachdem Gerüchte bekannt wurden wonach AT&T seine „Wireless-Unit“ an die Börse bringen möchte. Gemeint ist der gesamte Mobilfunkbereich, also sowohl die drahtlose Übertragung von Sprache, als auch die Übertragung von Daten. Marktkenner zückten sofort ihre Taschenrechner und stellten fest, daß die geplante 10-15%ige Notierung dieses Geschäftsbereich, der mit etwa  60-70 Milliarden US-$ veranschlagt wird, einem IPO von 8-10 Mrd. US-$ entsprechen dürfte. Dies wäre noch einmal wesentlich mehr als die rund 5,5 Mrd. US-$ große Neuemission von UPS am Monatsanfang und damit die größte Neuemission in der amerikanischen Geschichte. Die japanische NTT Emission des letzten Jahres ist und bleibt vorerst wohl das größte IPO aller Zeiten mit einem Gesamtwert von 18 Milliarden US-$.

Letzten Freitag konnte der Telekommunikationsriese die Aktionäre also begeistern. Doch der Freitags-Gewinn von AT&T ist keineswegs repräsentativ für die Jahresperformance der Aktie. Die nämlich kann keineswegs überzeugen. Seit Jahresbeginn hat AT&T seinen Aktionären weniger als 10% eingebracht obwohl der Dow etwa 20 % zugelegt hat. Wenn man an das dynamische Wachstum der Telekommunikationsbranche denkt wird der Erfolgsdruck auf das Management noch offensichtlicher. Diese Neuemission könnte auch der AT&T-Aktie gut tun. Viele Marktteilnehmer sind überzeugt, daß das ganze Unternehmen derzeit weniger Wert ist, als die Summe seiner Teile wert sein könnte.

AT&T kann nun eine sogenannte ‚tracking stocks’ emittieren, die nur die Wertentwicklung eines Geschäftsbereichs (in diesem Falle die mobile Kommunikation) widerspiegelt. Dazu müßte das Unternehmen lediglich einen Teil dieses Geschäftsbereiches an die Börse führen. Alternativ könnte man die neuen Aktien auch nur den bestehenden Aktionären anbieten. Der Vorteil dieser ‚tracking stocks’ ist, daß sie gezielt als Akquisitionswährung für diesen boomenden Geschäftsbereich eingesetzt werden könnte. Eine solche Aktie wurde im letzten Jahr von dem amerikanischen Telekommunikationsrivalen Sprint mit durchschlagendem Erfolg für dessen Mobilfunkaktivitäten emittiert.

Derzeit sieht alles danach aus, daß dieses IPO ein weiser Schritt für AT&T wäre. Das Unternehmen muß in Zukunft kräftig in die mobile Kommunikation investieren um seine starke Stellung in Nordamerika (über 10 Millionen Kunden) verteidigen zu können. Mobile Kommunikation ist derzeit unter den interessantesten Teilbereichen der Telekommunikation und da die Stimmung am Markt so positiv ist sollte AT&T keine Zeit verschwenden, denn diese kann auch schnell wieder umschlagen…

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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